Der Sprung ins kalte Wasser:
Es war so wollig warm unter der Bettdecke, das ich fast schon dachte ich wäre in der Badewanne. Heiß und bequem, doch es war besser. Ich öffnete die Augen, blinzelte und schaute zur Seite. Na ja man könnte sich wohl denken wer da lag. Es war Phillip und ich in seinen Armen. So sicher, er gab mir einfach das Gefühl zu hause zu sein. Es war Sonntag, der einzige Tag an dem ich ihn für mich haben konnte. Keine Termine, keine Kunden. Es war der Tag an dem ich morgens aufwachte und als aller erstes in sein friedliches Gesicht blickte. Ja und jedes mal wünschte ich mir das es jeden Morgen so wäre, schlafen, aufstehen und den restlichen Tag mit ihm unternehmen. Aber das Leben bestand nun mal darin hart zu arbeiten um etwas erreichen zu können. Wenn es nach seinem Vater ginge würden wir jeden Tag zu hause sitzen und Geld ausgeben, verreisen und in irgendwas investieren, aber ich wollte das nicht und Phillip war damit einverstanden. So lebten wir also wie jeder normale Mensch, mit alles Konsequenzen und Hürden die das Leben mit sich trug.
,, Guten Morgen mein Engel!“, seufzte er und zog die Decke über meine Schulter.
,, Guten Morgen.“, sagte ich erleichtert und atmete schwer.
,, Wir gehen heute reiten.“, entschloss er sich plötzlich, aus heiterem Himmel. Eigentlich planten wir immer zusammen was wir machen sollten, ob nur rumgammeln und Fernsehen, oder in den Park. Irgendwas kam immer, doch jetzt entschied er für sich, aber ich war einverstanden.
,, Wohin geht die Reise?“, fragte ich neugierig.
,, Lass dich überraschen. Aber eins ist klar heute werde ich mal Vianna reiten.“
„ Denkst du wirklich das du das packst?“, er nickte entschlossen und ich glaubte ihm. Nachdem wir es endlich geschafft hatten aus dem Bett zu kommen hatte Phillip mir Spiegelei auf toast gemacht. Ich blickte zum Fenster raus, wo die Hunde sich wie jeden Morgen darüber freuten im Garten rumzutollen. Aber nicht nur das Phillip heute Morgen da war, nein es war noch was und dann fiel es mir ein ich wurde heute viel zu viel verwöhnt. Ich musterte ihn eindringlich bis er schließlich meinen Blick wahrnahm und ein „ Was ist?“, aus ihr heraus platzte.
,, Nichts, eigentlich mache ich heute Frühstück und dann noch der Ausritt heute. Was hast du vor?“, ich wusste ich hatte ihn. Jetzt raus mit der Sprache, doch sein Blick wurde schlafartig kalt und abweisend.
,, Was soll sein? Du kannst dein Essen auch selber machen.“
,, Nein schon okay….“, ich verstummte und musste fest stellen das es doch wie jeder andere Sonntag Morgen war. Da hatte ich mir doch tatsächlich eingebildet, dass irgendwas nicht stimmte. Schwachsinn.
Fast schon schweigend saßen wir am Tresen und ich kaute auf dem Essen herum. Phillip schwieg immer wenn er aß, er musste sich wohl darauf konzentrieren, dass nichts weg kam. Ein hungernder Löwe der auf seine Beute achtete. Wache schob damit niemand sie ihm wegnehmen konnte. Erst als ich die Teller in die Spülmaschine gestellt hatte und dabei war mich fertig zu machen fing er wieder an zu reden.
,, Ist es warm draußen?“, ich antwortete mit einem lauten Ja durch das Haus und schlüpfte in die groß gewordene Reithose und in ein enges Tob und T-Shirt darüber. Dann steckte ich mir die Haare hoch, stieg in die Stiefeletten und schnappte die Autoschlüssel. Phillip war auch bereit zum aufbrechen, pfiff die Hunde zusammen, schloss die Terassentür und kam zu mir und küsste mich einfach so auf die Lippen. Er strahlte.
„ Wofür war der denn?“
,, Nur so, weil du es bist.“, er schmeichelte mir und dann machte ich die Tür mit einem Rums zu.
Ich lobte Mermaid nachdem ich ihr die Hufe ausgekratzt hatte. Heute hatte es fehlerfrei funktioniert, was hieß sie hatte einen guten Tag. Sie hatte sich ziemlich zum positiven entwickelt seit der letzten Wochen und Monate. Ich konnte mich nur noch vage an die aufgedrehte, ängstliche Mermaid erinnern die ich kennen gelernt hatte. Sie war selbstbewusster geworden und ich hatte auch das Gefühl sie hatte mehr Freude am Leben, nicht das ihr es schlecht ging, aber sie war richtig aufgeblüht. Vianna hingegen, und dafür liebte ich sie, zappelte herum, tänzelte und knabberte am Strick herum. Ich grinste nur. Genau das war eigentlich der Grund gewesen warum ich sie gekauft hatte, sie brachte mich immer zum Lachen, munterte mich auf und war einfach nur aufgeweckt und dabei. Phillip versuchte nicht auszurasten und putzte sie weiter.
,, Schaaatz?“, er blickte nur angestrengt hoch.
,, Willst du vielleicht doch Mermaid oder Eliana nehmen?“, warum ich sagte er könne Mermaid haben. Ich hatte einfach ein gutes Gefühl bei der Sache. Schließlich nach den Konflikten mit sich selbst nickte er.
,, Okay komm lass uns satteln. Dahinten ziehen ein paar Regenwolken auf.“ Er schaute hoch und beeilte sich. Ich beschloss Mermiads Westernsattel zu nehmen, er war durchaus bequemer und außerdem war sie entspannter, so hatte ich den Eindruck, wenn sie ihn trug. Vianna weigerte sich das Gebiss in den Mund zu nehmen und zickte auch beim Nachgurten herum.
,, Komm ich mach es, mach du Mermaid fertig. So Vianna, jetzt komme ich und glaub mir mit mir kannst du nicht machen was du willst verstanden?“, sie grunzte und kaute weiter auf ihrem Gebiss herum, als ich den Sattelgurt enger zog. Noch schnell den Helm aufgezogen und dann konnte es losgehen. Melody und Aimee standen neben mir, während Luna bei Phillip war und laut jaulte.
,, Alos los geht’s!“, sagte er und trieb Mermaid an. Ich erklärte ihm nur noch kurz auf was er bei ihr zu achten hatte und schon fanden wir uns auf dem Waldweg wieder.
,, Okay mein Wegweiser, wohin reiten wir?“, fragte ich schließlich und platzte bei Nahe vor Aufregung.
,, Lass dich doch einfach überraschen.“ Es dauerte nicht lange und wir setzten zum Trab an, ein langes Stück war das. Ich sah, dass es sich immer mehr zuzog, aber es war noch blauer Himmel zu sehen und in der Ferne riss der Himmel auch schon wieder auf. Wir parierten wieder durch.
,, Ich habe letztens mit dem Tierarzt geredete, wegen Audrey, das Fohlen wird voraussichtlich Ende Oktober kommen.“
,, Das ist noch lange hin.“, ich nickte.
,, Hat dein Vater noch irgendwas gesagt wegen der Einladung zum Essen morgen Abend?“
,, Ja er freut sich und meine Mutter war schon ganz hysterisch, was ist mit deiner Mutter?“
,, Na ja ehrlich gesagt habe ich sie nicht gefragt.“
,, Aylien du solltest wirklich anfangen ihr zu verzeihen, sie ist deine Mutter….“
,, Mhm….ich wünschte nur Dad hätte sie so gesehen, wie sie jetzt leidet.“
,, Du bist unberechenbar, dein Vater ist tot, aber du solltest sie nicht dafür büßen lassen, sie tut es auch so schon.“ Ach ja das hatte ich noch gar nie richtig erzählt. Mein Vater war vor einigen Jahren, ganz genau waren es zwei an einem Autounfall gestorben und meine Mutter war am Steuer, betrunken. Tja das ist die wahre, kleine, Geschichte meiner Familie. Über den Tod war ich hinweg, wir hatten 17 tolle Jahre zusammen, doch was danach geschah war wohl nicht so beeindruckend. Meine Mom bekam Depressionen und ich bin ausgezogen weil ich nicht mehr in ihr emotionsloses Gesicht blicken konnte. Vielleicht war es falsch, was jetzt viele sagen würden. Eine Tochter sollte bei seiner Mutter bleiben, aber ich hatte es einfach nicht mehr dort ausgehalten und Philipp kennen gelernt.
,, Vielleicht…“, antwortete ich nur und trieb Vianna an, die wieder anfing zu tänzeln. Ich gab ihr Schenkelhilfen und nahm sie an den Zügel.
,, Galoppieren?“, fragte ich und er stimmte mir zu. Ich wollte jetzt nicht die Stimmung versauen. Vianna galoppierte unkontrolliert an und machte weite Sprünge.
,, He, so geht’s nicht Madam!“, sagte ich und zog an den Zügeln, sie wollte davon sprinten, aber nichts da. Ich hatte auch noch ein Wörtchen mitzubestimmen. Mermaid war ruhig, sie ließ sich nicht anstecken, zeigte keine Unarten. Nun hatte ich auch Vianna unter Kontrolle und wir galoppierten einen Feldweg über den Hügel entlang. Ich konnte das Meer schon sehen. Wir galoppierten geradewegs auf den Strand und das offene, blaue Meer zu. Als wir in dem weißen Sand ankamen und das Wasser schon an uns hoch spritzte parierte ich durch.
,, Das war schön.“, ich ritt nach links.
,, Stopp wir gehen rechts.“
,, Aber hier geht es zurück zum Hof.“, jetzt merkte ich doch das was faul war.
,, Aber ich will nicht zurück nach Pandora, na komm schon.“, er nahm meine Hand und wärmte sie. Seine waren rau und warm, wie die eines Weihnachtsmanns.
Wir ritten über den Sandstrand, ehrlich gesagt war ich noch nie in die andere Richtung geritten. Und ich bereute es, die Landschaft wurde noch schöner als sie schon war und am Horizont erblickte ich eine kleine Strandhütte. Ein blaues, kleines Häuschen mit Terasse und einem fantastischen Blick aufs offene Meer. Noch einmal galoppierten wir an und waren da. Er stieg ab.
,, Und jetzt?“, fragte ich perplex. Ich stieg ebenfalls ab und Phillip fing mich auf küsste mich und band die Pferde an einem Holzpfahl fest. Er wollte doch jetzt nicht etwas hier einbrechen.
,, Phillip die gehört jemandem.“
,, Na und ich bin mir sicher die Besitzer sind nicht da um uns aufzuhalten, los jetzt.“ Ich zögerte, stürzte mich dann aber mit ihm in das Abenteuer. Es war als wären wir knappe 16 Jahre alt und auf der Suche nach etwas neuem Aufregendem. Ich kicherte nur und er öffnete die Tür. Sie war offen, was seltsam war.
,, Okay jetzt Augen zu.“
,, Wieso?“, er schaute mich eindringlich an. Ich seufzte und schloss die Augen, verließ mich ganz auf seine Stimme und der führenden Hand. Wir waren drinnen, es roch nach Rosen und Zimt. Wie Weihnachten und warmer, kuscheliger Stube. Ich spürte wie er meine hand los ließ und irgendwas anderes machte. Ich wusste nicht was.
,, Phillip?“, fragte ich und fühlte mich allein gelassen. Eigentlich wollte ich die Augen öffnen, aber ich tat es nicht.
,, Jetzt!“, sagte er du seine Stimme klang fern. Ich öffnete die Augen und der Schlag traf mich, wir waren in der kleinen Hütte und am gesamten Boden Kerzen dun Rosenblüten. Aber ich konnte Phillip nirgends sehen. An einer Wand sah ich wie sich ein Film abspielte und als ich genauer hinsah erkannte ich, dass es Bilder von uns waren. Ich starrte auf die Wand und beobachtete jedes einzelne Bild das sich vor mir abspielte. Unser erstes date, erster Kuss, erster Streit, warum es davon Bilder gab keine Ahnung. Der Tag in Paris, der Einzug, erstes Mal Essen. Der tag bei seinen Eltern, bei seiner Tante, bei Fabi, am Stall….es waren so viele fest gehaltene Momente und ich merkte wie mir eine Träne die Wange runterlief. Ich wusste nicht warum es war einfach Reflex.
,, Oh Gott wo bist du verdammt!“, schrie ich heulend und schluchzte, dann trat er hinter einem Schrank hervor mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Ich rannte auf ihn zu und küsste ihn, leidenschaftlich lang und voller Freude. Als ich mich wieder löste grinste er immer noch.
,, Willst du mich nun endlich heiraten?“, fragte er plötzlich und ich strahlte.
,, Ich dachte du frägst nie.“, sagte ich immer noch weinend und umarmte ihn, er küsste mich nochmals und ich schaute ihn an. In seine tiefgrünen Augen. Es war der Moment jeder Frau, die ihren Mann liebte. Ein überglücklicher und magischer Moment.
Bevor ich es vergesse, dein Ring.“, er öffnete die Samtschachtel und zückte den Ring der darin lag. Ich riss die Augen auf. Ein goldener Diamantring. 1 Karat. Oh mein Gott ich könnte sterben.
,, Nein, nicht dieser Ring, Oh Gott, oh….Schatz…ich liebe dich!“, wieder küsste ich ihn und er steckte mir den Ring an den Finger. Ich hatte mich wieder in Fassung.
,, Aber woher hast du die Bilder?“
,, Connections.“, er überraschte mich. Ich schaute zum Fenster raus. Die Hunde planschten im Wasser.
,, Aber ich finde es trotzdem nicht gut das du in die Hütte eingebrochen bist.“
,, Du kleines Dummerchen, das ist meine Hütte.“, jetzt war ich entsetzt.
,, Was? Wieso hast nie was erzählt?“
,, Ich habe auf den passenden Moment gewartet und das hier war er.“, ich nickte und lehnte mich an ihn, schaute zu ihm hoch.
,, Wie viele Geheimnisse, oder Häuser auf der Welt hast du noch vor mir zu verbergen?“
,, Wenn wir gerade dabei sind, es gibt da noch ein Haus auf den Malediven.“
,, Du bist unfassbar.“, ich lächelte.
Wir setzten und mit Liegestühlen auf die Terasse und genossen die letzten Sonnenstrahlen, bis es schließlich anfing zu nieseln. Nur für einen kurzen Moment und am Himmel setzte sich ein langer, wunderschöner Regenbogen ab. Er strahlte in allen einen wunderschönen Farben. Mermiad und Vianna genossen die Sonne die schließlich wieder die Wolkendecke durchbrach und ich kuschelte mich an meinen zukünftigen Ehemann. Phillip stand auf und ging schnell in die Hütte. Ich zückte mein hand und schrieb hastig eine Rundmail an alle Mitglieder:
Oh mein Gott Leute!
Er hat mich endlich gefragt. Ich bin verheiratet.
Ganz liebe Grüße vom Meer, eure zukünftige Aylien Kreuzer huiii ich kanns nicht glauben…… :*

