Ein alter Freund:
Die Sonne schien, die Hunde spielten im Garten und Phillip und ich waren im Whirlpool und genossen einfach nur diesen Moment. Es war alles so perfekt und unbeschwert, so hätte man denken können wenn man nicht die ganze Geschichte kannte.
,, Hast du Mike schon angerufen wegen dem Wochenende?“, fragte ich Phillip.
,, Ja er hat gemeint ich muss, Schatz tut mir Leid, aber die Beförderung steht kurz bevor und ich muss noch mal hart arbeiten.“
,, Mhmm….“ Dieser dämliche Polizistenjob ging mir auf die Nerven, aber irgendwo her musste das Geld für das Haus etc. ja kommen.
,, Aber wir können Sonntag ja gehen.“
,, Mal sehen…!“, sagte ich nur und schloss die Augen. Dann kam dieser Anruf, das Telefon klingelte und wenn ich jetzt zurückblicken würde, hätte ich besser nicht abnehmen sollen.
,, Hallo?“, fragte ich, am anderen Ende der Leitung hörte ich nur Rauschen.
,, Hallo? Ist das jemand?“, Phillip starrte mich mit ernster Miene an. Gerade als ich wieder auflegen wollte meldete sich jemand. Ich kannte die Stimme und sie war panisch, verwirrt und ängstlich zugleich.
,, Aylien?! Du musst mir helfen….“ Ich erkannte die Stimme und stockte.
,, Sam? Was ist los?“, ich war schockiert. Es war Sam, ja genau der Sam. Der beste Freund, der mit seiner dummen Freundin durchgebrannt war. Der Sam der in mich verliebt war, der den Phillip hasste. Der Sam der einfach ohne ein Wort zu sagen gegangen war und das einzige was er mir zurück gelassen hatte war eine SMS mit den Worten ,, Leb wohl, es tut mir Leid!“ darin. Ich wusste in den letzten Monaten nicht einmal mehr ob er noch lebte, geschweige denn wo er zum Teufel war.
,, Sie bringen mich um, du musst mir helfen…bitte. Ich bin sonst tot.“ Er wurde panisch und stotterte.
,, Sam, aber…wo bist du?“
,, Sie töten mich!“, wenn ich nicht gewusste hätte das es Sam war hätte ich aufgelegt und gedacht es wäre ein dummer Streich von Teenagern. Irgendein Verrückter der auf Droge war, aber es war Sam.
,, Sag mir wo du bist!“ Dann hörte ich Schreie und Gepolter. Stille.
,, Sam?!“, schrie ich fast schon.
,, Aylien, oh Gott bitte helf mir. Ich bin bei Trish…bei Trish zu Hause.“ Ich pausierte, bei Trish. Trish war doch seine Freundin, warum?
,, Ich muss Schluss machen, bitte hol mich hier ab. Wir sind in Roststock. Mattenstraße 67. die Ranch….“
,, Aber Sam…!“, doch er hatte schon aufgelegt. Ich legte das Telefon bei Seite. Phillip blickte mich erwartungsvoll an.
,, Was will Sam. Der Idi** hat sich Monate lang nicht gemeldet.“
,, Wir müssen nach Roststock, okay….ich erklär dir alles auf der Fahrt.“
Wir waren nur noch zehn Minuten vom Standpunkt entfernt. Phillip hatte ich aufgeklärt. Ich raste über die Landstraße und parkte an der Straße. Vor uns war die riesige Ranch, Rennbahn und alles drum und dran. Das war also Trishs Reich. Wir standen vor dem großen weißen Tor. Es war verschlossen.
Phillip wollte klingeln ich hielt ihn auf.
,, Stopp, du kannst doch nicht einfach klingeln, wir wissen doch gar nicht was hier abgeht.“
,, Ja eben deswegen.“
,, Was willst du denn bitte sagen. Ja hallo hier sind Aylien und Phillip wir wollen Sam retten, weil er uns hilflos angerufen hat, oder was?“ er war nachsichtig und wir suchten einen anderen Weg. Wir wurden fündig, ein kleiner Hintereingang führte und direkt auf das Hofgelände. Ich fühlte mich wie auf einer geheimen Mission, James Bond auf Tour oder so was ähnliches, aber es war ernst. Weder wusste ich was los war, noch wo Sam überhaupt war.
Eine Stunde später fanden wir ihn endlich, in einem der Ställe mistete er gerade Boxen.
,, Sam!“, schrie ich und rannte auf ihn zu.
Er packte mich und zog mich nach unten in einen Heuhafen.
,, Psst….sei ruhig. Sie können uns entdecken.“ Phillip kam zu uns.
,, Du bist ein Spinner! Ich hoffe du hast einen guten Grund, warum du uns hier hergerufen hast.“
,, Nicht hier, bringt mich einfach nur weg. Die haben Waffen.“ Was war das hier für eine verfluchte Sch**.
Endlich waren wir im Auto.
,, Okay kannst du mir jetzt mal bitte erklären was los ist!“, irgendwie wurde ich ungeduldig.
,, Gut… anfangs war noch alles schön und gut, bis ich von dem kleinen Familiengeheimnis mitbekommen habe. Das ganze Teil ist eine reine Dopefirma. Sie dopen Pferde und kommen bei der Rennkomission damit durch.“
,, Was?!“
,, Ja ich wollte damit an die Öffentlichkeit, aber sie haben mir gedroht mich umzubringen. Deswegen hab ich dich angerufen, weil ich wusste du würdest kommen, obwohl ich dich einfach so ohne Wissen stehen gelassen habe. Das tut mir Leid…“ Phillip wurde angespannt.
,, Und wegen so was lässt du uns nach Roststock kommen um dir den Arsch zu retten. Du hast dich da selber reingeritten. Wärst du doch verreckt da drinnen….ich glaube es ja nicht.“
Sam senkte den Kopf, Phillip hatte nicht ganz Unrecht, aber ihn da drinnen sterben lassen wollte ich auch nicht.
,, Es tut mir doch Leid!“
,, Deine Entschuldigungen kannst du dir sonst wo hin stecken.“, fluchte Phillip.
,, Sam, ich weiß nicht was ich sagen soll. Am liebsten würde ich dich hier irgendwo rauswerfen und dich mit deinem Dreck alleine lassen, aber ich tue es nicht, denn dann wäre ich kein Stück besser wie du! Wenn wir zu Hause sind gehen wir zur Polizei und danach will ich dich nie mehr wieder sehen.“, sagte ich und es fiel mir verdammt schwer diese Worte über die Lippen zu bringen. Aber es war das einzig richtige. Vielleicht war es eine Überreaktion, aber Menschen konnten sich nach 4 langen Monaten ändern und Sam hatte sich geändert. Er sollte sein Leben wieder in den Griff bekommen und neu anfangen. Das war das einzig Richtige für den Moment.
,, Fang endlich wieder an dein Leben auf die Reihe zu kriegen.“, meinte ich. Er nickte und ich konnte das Leid in seinen Augen sehen, doch für Mitleid war es nun zu spät…..
An dem Morgen danach war Sam spurlos verschwunden. Das einzige was er dagelassen hatte war ein Brief. Ich fand ihn auf dem Bett. Er hatte es wieder getan und war einfach gegangen, aber diesmal war es anders. Es tat weniger weh.
Aylien,
Ich will gar nicht damit anfangen mich für all das zu entschuldigen was ich getan habe, ich belasse es dabei und gehe einfach. Ich finde einfach, dass ich dir schon genug Sorgen aufgetischt habe und für mich ist einfach die Zeit gekommen zu gehen und abzuschließen, mit Trish und mit dir. Du hattest Recht, als du mir damals sagtest ich sei anders als alle die du je getroffen hast und das bestätigt sich mit jedem Tag, den ich lebe.
Wenn ich darüber nachdenke, warst du das einzige was mich an diesem verdammten Ort gehalten hat, aber du hast gemeint ich soll neu anfangen und mein Leben auf die Reihe kriegen. Und genau das tu ich jetzt. Die Zeit mit dir wird wahrscheinlich ewig erhalten bleiben und auch die Schmerzen, aber was geschehen ist kann ich nicht mehr umkehren. Also rede ich jetzt auch nicht über Fehler und Erinnerungen, sondern beende mein Leben in deinen Gedanken und gehe fort. Wahrscheinlich werde ich es vielleicht endlich mal schaffen mir ein Pferd zu kaufen, was hast du noch mal gesagt was ich mir kaufen soll. Ein Araber….
Das nun auszudrücken was ich für dich empfinde wäre zu lang für dieses kleine Stück Papier. So schreibe ich einfach einen lieben Gruß und Leb wohl! Wie damals als ich dir die SMS geschrieben habe…..
Sam
In mir stiegen Tränen auf und gleichzeitig musste ich lächeln. Gott sei dank konnte mich Phillip nicht so sehen, er würde nur sauer werden und sich über Sam aufregen. Da ging er und ließ mich erneut allein im Dunkeln zurück, nur würde ich nicht wieder anfangen nach ihm zu suchen.
Ich machte noch einen Abstecher nach Pandora, ich holte Audrey aus der Box und zog ihr nur eine Trense über. Dann stieg ich auf und galoppierte durch den Wald, um irgendwas zu suchen und nichts zu finden. Der Wind wirbelte durch meine Haare und ich hörte den schnellen Herzschlag von Audrey. Ich wusste nicht genau was das für ein Gefühl war. Erleichterung, Trauer. Doch fand auch den passenden Ausdruck dafür. Ich hatte meinen besten Freund verloren, bewusste, und doch machte es mich nachdenklich. Nicht traurig, ich blickte eher schmunzelnd auf die Vergangenheit mit ihm zurück. Ob jetzt die guten Zeiten mit ihm, der Sam der mich immer zum lachen gebracht hatte, oder die schlechten Zeiten in meinem Kopf erhalten blieben. Überließ ich voll und ganz meinem Gewissen.
Ich parierte durch und lief durch die hohe Wiese. Es ging ein starker Wind, aber weder mir noch Audrey schien das Wetter etwas auszumachen.
Ich ritt einfach immer weiter, bis hin zum Strand. Die Wellen waren hoch und der Sand bildete kleine Wirbel in der Luft. Ich galoppierte an. Audrey hinterließ Hufspuren im Sand. Spuren die nicht lange hielten, sondern von den wellen weg gespült wurden und mit jeder Spur die wir zurück ließen, verlor ich einen Gedanken an Sam….
