Ein Wiedersehen:
Ich hatte das Gehalt von letztem Monat bekommen, fast 18 000 Euro standen mir nun zur Verfügung. Aber die waren auch schon gleich wieder aufgebraucht, denn ich hatte mich ja vor längerer Zeit schon wieder entschlossen Mermaid zu kaufen. Ich saß mit Gina am Frühstückstisch.
,, Heute ist es dann wohl soweit!“, meinte ich und grinste. Dabei stopfte ich das Nutellabrot in den Mund und biss ab.
,, Ich finde es toll das du sie nimmst! Ihr passt einfach irgendwie zusammen. Wenn ich mir überlege wie viel Zeit du bei ihr verbracht hast.“, sie lachte.
,, Ja ich war so ziemlich jeden Tag bei ihr!“
,, Weiß Phillip von deinem Plan?“
,, Ja ich habe es mal so erwähnt….“, ich kicherte. Gina schmierte sich ein Brot mit Butter und Käse. Austin beobachtete uns von der Seite und saß erwartungsvoll neben meinem Stuhl. Ich ließ „ ausversehen“ ein Stück Brot runterfallen und schon machte ich diese kleinen Augen glücklich. Stella streifte mir schon die ganze Zeit um die Beine. Ich nahm sie hoch und kraulte sie. Ein lautes Schnurren ging durch den Raum.
,, Hast du Hunger?“, was war das für eine Frage, natürlich tat sie das. Ich hörte bellen von draußen Ginas Hunde spielten mit Luna und Melody im Garten. Ich stand auf und gab Stella eine Portion Trockenfutter, dieses Fleischzeug aus der Dose hasste sie und deswegen kaufte ich es auch gar nicht mehr. Ich schaute auf die Uhr.
,, Du ich muss los, hab in einer halben Stunde mit Fabi einen Termin.“
,, Okay, dann drück ich mal die Daumen.“, sagte sie und ich verschwand im Schlafzimmer. Dort zog die den Pyjama, den ich immer noch an hatte aus, und schlüpfte in Jeans und Pullover.
,, Also, ich bin bald wieder zurück. Ich nehme nur Luna mit.“
,, Ja kein Problem. Also bis später.“
,, Danke. Ciao!“, rief ich durch den Flur und ging zum Auto. Ich blieb stehen du ging zurück.
,, Huch Hund vergessen, Luna hier her!“, rief ich noch mal und Luna kam angerannt. Ich hörte nur noch wie Gina lachte und dann stieg ich auch schon ins Auto.
Ich klingelte an Fabis Haustür. Sie öffnete sie und umarmte mich.
,, Hey…“, ich sah das sie telefonierte, also ging ich gelant an ihr vorbei und setzte mich aufs Sofa, sie grinste nur.
,, Nein Herr Meier, ich werde die Lieferungen nicht annehmen. Das ist mein letztes Wort und bezahlen werde ich auch nicht. Auf Wiedersehen.“ Sie legte auf und kam zu mir.
,, Tschuldigung, aber die Futterwaren die wir bekommen haben waren falsch und jetzt gibt’s ein riesiges Theater…..aber egal. Also ich hab ihre Papiere rausgesucht.“ Sie legte mir Mermaids Papiere vor, ich kannte sie ja schon. Ich lächelte.
,, Damit ist es dann wohl fest.“, sagte ich und nahm sie in die Hand.
,, Ach ich hab ganz vergessen, willst du was trinken?“ ich verneinte.
,, Bevor ich vergesse, hier ist der Kaufvertrag, du musst nur unterschreiben.“ Ich zögerte gar nicht und unterschrieb. Jetzt gehörte sie mir und ich war mein ganzes Geld auf einmal wieder los, doch ich wusste es war das Richtige.
,, Sie ist bei dir gut aufgehoben, das bin ich mir sicher!“, meint sie und stand auf.
,, Also ich geh dann gleich mal zu ihr.“
,, Ja mach das ich habe noch ein Telefonat mit diesem Meier zu klären.“, sie lachte.
,, Na dann viel Spaß und glück. Mach ihn fertig!“, wir lachten. Ich verabschiedete mich von ihr und nahm Luna mit nach draußen. Sie hatte die ganze Zeit vor der Tür gesessen und gewartet bis wir wieder gehen.
Ich rannte förmlich zur Weide und in der hand das neue Halfter für Mermaid. Es war eins aus Leder, denn ich fand das passte zu ihrer Farbe. Außerdem wusste ich auch das Mermaid ihre Halfter gerne kaputt machte. Luna rannte mir kläffend hinterher und machte vor dem Gatter Halt.
Ich sah sie in den ganzen Pferdemengen erst gar nicht, lief auf die Weide. Dann hörte ich ein Wiehern. Ich drehte mich um und da stand sie und schaute zu mir.
,, Hallo meine Süße!“, rief ich und lief auf sie zu, auch Mermaid km mir in einem wunderschönen Trab entgegen. Ihre blauen Augen schauten mich an und blinzelten. Sie leuchteten.
,, Endlich hab ich dich wieder.“, sagte ich erleichtert und umarmte sie. Dann klopfte ich auf ihren Hals und strich ihr über die Stirn. Ich hatte Mermaid eigentlich ewig nicht gesehen, ich hatte immer viel um die Ohren. Das klang jetzt unglaubwürdig, denn auf einem Hof sah man Pferde jeden Tag dreimal, aber irgendwas war immer schief gelaufen. Ich führte sie zum Putzplatz und fing dort auch schon an sie zu putzen. Ihre Mähne war ganz zerzaust und Knoten waren darin eingewickelt. Ihr Fell war glatt und glänzte. Unter ihren Augen waren Schweißflecken, die ihre Lieder dunkel umrahmten. Es war heute ziemlich schwül und die Sonne schaute nur ab und zu durch die Wolken hindurch, aber man konnte schon blauen Himmel sehen. Ich holte eine Trense und Sattel. Ich war Mermaid noch nie im Gelände geritten, ich wusste ihr Vertrauen zu schätzen, trotzdem war ich nicht hundert Prozent sicher das sie normal wäre. Luna schnupperte an Mermaids Nase herum und Mermaid spitzte die Ohren, anstatt sie zu beißen beließ sie es dabei und selbst als Luna an ihr hochsprang regte sie sich kein Stück.
Ich gurtete nach und stieg dann auf. Ich beschloss nur eine kleine Runde zu gehen und lief den Pfad durch den Wald. Mermaid war entspannt und ich ließ die Zügel voll durchhängen.
Wie ich schon erwartet hatte riss der Himmel auf und durch die Baumkronen reichten nun Sonnenstrahlen. Ich trabte an, sie hatte so schöne Gänge, sanft und locker. Wir sprangen über einen kleinen Ast und bogen dann auf einen Feldweg ab. Dort galoppierte ich an. Die Maisfelder zogen an uns vorbei. Luna vor uns und sie hatte auch ihren Spaß, wir ließen uns von nichts ablenken. Ich parierte wieder durch und lobte Mermaid ausgiebig. Sie schwitzte ziemlich, also beschloss ich die nächste Kreuzung den Weg zurück zum Hof zu nehmen. Ein letzter wilder Galopp und ich ging im Schritt auf den Hof zurück. Dort sattelte ich sie ab und ging zur Dusche. Ich spritzte Mermaid komplett ab und schäumte sie noch ein, samt Schweif und Mähne. Sie wippte hin und her und schnaubte.
,, Stell dich nicht so an, ist nur Wasser und es ist kühl.“, sie sah ein das Wasser kein Feind war und begann sich zu entspannen. Jetzt gingen auch die Mistflecken aus ihrem Fell und ich zückte das Schweißmesser. Ich spritzte Luna nass, die sich darüber freudig gab und erwartend auf den Boden wälzte.
,, Du Drecksspatz!“, meinte ich und lachte über ihr Verhalten.
Dann stellte ich Mermaid wieder in die Sonne und fettete ihre Hufen. Ihre Mähne und Schweif wurden noch gut durchgekämmt und eingesprayt. Ich lief noch ein bisschen auf dem Hof entlang. Vorbei an dem Hundeübungsplatz.
,, Da muss ich auch mal mit euch frechen Dingern hin!“, sagte ich und schaute zu Luna, die weiter rannte als hätte sie nichts gehört. Mermaid war total aufmerksam und achtete auf jede Bewegung die ich tat und auf jedes Rascheln, selbst wenn es nur der Wind war. Dann schreckte sie kurz hoch, als ein Vogel aus dem Busch neben ihr flog. Darauf hatte ich die ganze Zeit gewartet, auf die alte schreckhafte Stute, die ich so ins herz geschlossen hatte.
,, Und ich dachte das kommt gar nicht mehr! Immer noch die Alte, nicht wahr Süße?!“, sagte ich und streichelte sie. Dann lief ich wieder Richtung Weide, ihr Fell war wieder schön beige und glänzte. Dann gingen wir auf die Weide zurück, dort ließ ich sie frei. Sie blieb stehen und schnupperte an meiner Jacke.
,, Ja ja das Leckerli vergesse ich schon nicht!“, meinte ich und streckte ihr eins hin. Luna bekam auch eins.
,, Also los, hopp. Bis bald!“, sagte ich und es tat gut bis bald zu sagen, denn jetzt würde ich sie immer sehen können. Sie gehörte mir und das sollte auch so bleiben. Sie galoppierte los und hielt an. Dann wälzte sie sich destruktiv vor meinen Augen. Das war typisch Mermaid, immer ärgern, aber das war der Charakter den ich liebte.
,, Du bist mir vielleicht eine!“, nuschelte ich vor mich her. Ich lief mit Luna an meiner Seite zurück, stieg ins Auto und fuhr Freuden strahlend zurück nach Hause….
