Viel zu viel Stress…
,, Phillip jetzt pssttt…..!", flüsterte ich energisch während ich mit meinen Händen vor seinem Gesicht rumfuchtelte, damit er endlich aufhörte mich nachzumachen und sie über das Telefonat lustig zu machen. ,, Okay Sam, bis morgen dann.", sagte ich schließlich und legte auf. Ich blickte ihn böse an. ,, Halt bevor du was sagst. Sam bombardiert uns seit Tagen. Ich will gar nicht erst die Telefonrechnungen sehen….das ist doch krank. Der Kerl ist ein absoluter Psychopath. So jetzt darfst du.", beendete er seinen Satz, ich holte tief Luft. ,, was soll das? ich störe dich doch auch nicht wenn du telefonierst und…arghhh….ich kann einfach nicht sauer auf dich sein“,, Genau darauf wollte ich hinaus." , sagte er charmant und küsste mich leidenschaftlich. Es war anders, es fühlte sich so richtig an, aber vor meinen Augenliedern spiegelten sich Sam Augen und nicht seine. Ich schubste ihn sanft von mir weg. ,, Was ist?“ Ich brauchte eine Ausrede. Ah der Zettel. ,, Zeitplan einhalten und hier steht, Küssen mit Phillip eine Minute. Der nächste Punkt ist mit den Hunden gehen.“ Ich hielt den Zettel in der Hand. ,, Das steht da nicht drauf…“, meinte er, schnappte mir ihn aus der Hand und erstarrte. ,, Du hast dir wirklich einen Zeitplan über unsere Küsse gemacht. Aylien, das ist nicht normal! Hunde, Einkaufen, Misten…das willst du heute alles noch machen? Das hört ja gar nicht mehr auf.“, er lachte mich aus. ,, Das ist nicht witzig und jetzt muss ich los, sonst schaff ich das alles doch gar nicht!“ Er lachte weiter und konnte gar nicht mehr aufhören, Phillip spuckte wild durch die Gegend und hielt sich atemschnappend am Tisch fest. ,, Okay du kannst aufhören…Phillip….ja sehr komisch. Phillip! Fertig?“, fragte ich während er langsam zum Stehen kam. ,, Das ist paranoid. Ich kann s nicht glauben!“, wieder fing er an, ,, eine Liste, da fehlt jetzt nur noch wie oft und wie lange Sex haben sollten. Wahnsinnig, oh Gott…du bringst mich echt um!“ Ich runzelte die Stirn und wartete, wartete darauf, dass er endlich aufhörte. ,, Okay es ist vielleicht crazy, oder paranoid, aber so kann ich wenigstens mal das Schaffen an einem Tag was ich will. Außerdem ist das nur für heute. Der für Morgen…..“ ,, Stopp kein Plan für die zukünftigen Tage, Jahre, was auch immer…..ich finde das sollte eine einmalige Sache bleiben, sonst kippe ich noch um vor Lachen.“ Er schmunzelte. Ich nickte und blickte herablassend zu ihm hoch. ,, So bist du jetzt fertig?“ ,, Oh Gott ein Plan wie lange ich sie küssen darf…..pffff……Hammer Sache! Wahnsinn!“, sagte er, lachte wieder, verschwand jedoch im Büro, wo sein Lachen verblasste und das Thema somit beendet war. ,, Aimee, Luna, Austin, Melody…kommt her!“, rief ich durch den Garten. Der Nachwusch war ordentlich gewachsen und sie waren so zuckersüß. Ich konnte sie stundenlang knuddeln, ohne sie auch nur einmal atmen zu lassen. Ein lautes Gekläff ging durch den Raum und dann kamen die zwei stürmend in das Haus gerannt und sprangen an mir hoch. Luna kam hinterher, sie war kaho. ,, Da hast du dir ja zwei ordentliche Quälgeister an den Hals gelegt.“, sagte ich und streichelte dir drei. Melody kam als letzte, sie konnte sich noch nicht so ganz mit dem ganzen stress anfreunden, dauernd zupften die Zwei an ihre herum und Melody hasste es. ,, Hey Süße, ich weiß du magst das gar nicht, nicht wahr? Vielleicht freundest du dich doch noch mit der Situation an.“ Es war klar ich hatte sie etwas vernachlässigt und deswegen war sie auch stinkig und sauer, aber da musste sie eben durch. Außerdem mochte sie Phillip auch mehr als mich. Wenn die Beiden abends auf der Couch lagen und knuddelten und Phillip Melody ab und zu ein Gummibärchen unterschummelte. Es war Goldwert. Ich lächelte bei dem Gedanken daran.
,, Also dann kann es ja los gehen, ihr, eins zwei….vier.“, oh Gott ich hatte schon einen halben Zoo. Dann kam auch noch Stella und schlang sich um meine Beine. Ein Miauen. ,, Och du….Phillip?!“, schrie ich durch den Raum. Ein „Mhm“ kam aus dem Büro. ,, Kannst du Stella was zu essen geben?“ Wieder ein etwas lauteres „ Mhm“, als Antwort. Stella rannte in die Küche. „ Jetzt!“, sagte ich nochmal, schnappte mir die Leinen und nahm die zwei Kleinen an die Leine. ,, Fuß!“, sagte ich zu Melody und Luna, die links und rechts neben mir marschierten. Wir überquerten die Straße, ich grüßte noch den alten Herr, der neben mir ein paar Häuser weiter wohnte. Sein Holzstock und der Hut auf dem kahlen Kopf begleiteten ihn. Er lächelte. Ich nahm den breiten Weg in den Wald hinein. Nach der Schranke ließ ich alle laufen. Aimee und Austin hatten wieder nichts anderes im Kopf als sich kopfüber ins Gras zu schmeißen. Aimee schnappte nach Schmetterlingen, die über den Blumen flatterten. Austin lag im Gras und schaute in den Himmel. Als ein Helikopter ertönte, schaute er nur schräg nach oben und bellte kurz. Melody lief den Weg entlang, während Luna ihre Zwei süßen einsammelte. Es war ein schöner Spaziergang, man konnte so richtig beobachten wie die Natur aufwachte und sich auf Sommer vorbereiteten. Im Wald blühten Büsche und Bäume und am Wegrand machten sich die ersten Buschwindröschen breit. ,, Austin na komm her!“, sagte ich als er wieder mal Luan nervte und an ihr herum zupfte. Er kam nach vielen Versuchen auf mich zu gerannt. Sprang an mir hoch und riss an meiner Hose herum. ,, He he nicht so. Jetzt geh schon!“, meinte ich und stupste ihn leicht von mir weg. Es war wunderbar, zu entspannen und mal nicht an den ganzen restlichen verrückten Tag zu denken. Aber der Moment war schnell vorbei, denn ich musste mich beeilen. Zeitplan. Wenn ich länger darüber nachdachte, war es wirklich paranoid, aber nur so konnte ich auch wirklich das tun was ich erledigen musste. Also kehrte ich bei der nächsten Kreuzung um und nahm einen Rundweg, entlang eines Flusses. Doch das war nicht so eine gute Idee. Melody, Aimme und Austin sprinteten ins Wasser. Luna hinterher. Oh Nein. Jetzt musste ich sie später auch noch sauber machen, schon gleich als ich das erwähnte wälzte Austin sich ein einer Pfütze und Aimee fand das witzig und suchte sich den nächsten Maulwurfshügel und tat das Selbe. Ich seufzte, sammelte sie ein und schickte sie vorne weg. Melody lief neben mir, schaute mich immer wieder an. ,, Ja keine Sorge wir sind gleich da!“, dann steckte ich ihr ein Leckerli zu und legte einen Gang höher ein.
,, Bin wieder da!“, rief ich und schickte Luna und Melody in den Garten. Aimee und Austin fing ich auf und nahm sie in den Arm, ins Büro. Phillip lehnte über Ordnern und einem wahllosen Chaos. Er tat beschäftigt war es aber nicht, denn die Unterlagen waren dieselben wie gestern. ,, Jetzt tu nicht so vertieft. Hilf mir!“ ,, Oh Gott die zwei Killer Ameisen!“, er drehte den Stuhl und ich setzte Aimee auf seinen Schoß. ,, Ah das war meine frische Hose.“ ,, Ist doch egal, mach sie sauber.“, sagte ich während ich ins Badezimmer lief und mir ein Handtuch schnappte. Kurze Zeit später waren nun auch die Kiddis versorgt und ich musste auch wieder los. ,, Bis nachher.“, rief ich. ,, Wohin geht es diesmal?“,, Einkaufen.“ ,, Bring bitte keine Monster wieder mit nach Hause, wir haben weit aus genug!“, nuschelte er die letzten Sätze. ,, Das habe ich gehört, liebe dich….“ ,, Ich dich auch.“ Als ich das sagte, war mir klar, es passte einfach alles. Ein Haus, Tiere, komischer Freund. Ich war eigentlich glücklich und typisch für jeden Teenie, der einen Freund, Haus und Haustiere besaß.
Als der Einkauf getan war, ging es auch wieder weiter. Ich musste mich noch um Nephilim und Mercurio kümmern. Das sollte ein leichtes werden und meine Stressfaktor um einiges senken, hoffte ich. Am Hof angekommen, stürzte ich mich sofort auf die Weide und holte Nephilim und Mercurio. Nephilim hang sich sofort an Mercurio fest, ein Papa. Es war total süß, wie er an ihm herum knabberte. Mercurio stupste ihn etwas an und schnaubte. So von wegen ,, I am the Boss!!“ Ich band beide an und fing an sie zu striegeln. Nephilim sah wieder aus wie eine Sau, Mercurio hingegen wie geleckt. Deswegen dauerte es auch nicht zu lange bis ich fertig war. Aber was hatte ich eigentlich geplant. Eigentlich wollte ich mit Mercurio einen schönen langen Ausritt machen, Nephilim als Handpferd? Nein keine gute Idee. Ich beschloss ihn also in die Box zu stellen und sattelte Mercurio. In der Sattelkammer traf ich Beccy, die gerade vom Springen mir Damian fertig war. ,, Hey, habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Aylien.“, meinte ich und grinste sie an. Sie drehte sich um und erwiderte mein Lächeln. ,, Ich Beccy, aber hier bleibt ja nichts geheim.“, sagte sie und lachte kurz auf.
,, Damian ist ein super Springer.“, sagte ich dann und hob den Sattel von Mercurio von der Stange. ,, Oh ja er springt super, tolles Pferd!“, antwortete sie und folgte mir aus dem Gebäude. ,, Das ist als dein Pferd?“ ,, Ja eins meiner vielen.“, ich kicherte. ,, Er ist Sportler, das sieht man. Araber halt.“ ,, Ja ja aber ich würde sagen etwas eingerostet, ich war lange nicht mehr auf der Rennbahn, Pandora hat noch keine und die Möglichkeit hier eine zu finden ist sehr gering. Aber der Kerl hat sein Temperament nicht verloren.“ , meinte ich und zog den Sattelgurt an. Mercurio legte kurz die Ohren an. Ich streichelte ihn. ,, Also ich muss los.“, sagte sie und verabschiedete sich.
Ich trabte an, den Trampelpfad entlang. Mercurio war heute wieder unhaltbar. Er tänzelte und ich musste ihn starke Schenkelweichen geben. ,, Ruhig mein Junge. Er hatte schon bessere Tage. Als wir auf den weiten Wiesenweg abbogen, parierte ich durch. Ich setzte mich tief in den Sattel und brachte ihn schließlich in den Schritt. Als wir um die Kurve bogen galoppierte ich an, vorerst nahm ich ihn stark zurück, auch das musste geübt werden. Er konnte nicht immer lospreschen wenn ich ihm das Zeichen für Galopp gab. Das passte ihm natürlich gar nicht. Ich zog seinen Kopf nach unten und presste die Schenkel an seinen Bauch. Erst als das klappte ließ ich los, setzte mich in Leichtsitz und trieb ihn an. Wie ein Vogel bei seinem ersten Flug preschten wir davon. Hinter uns nur Staubwolken. Er hatte ordentlich Power und wäre noch ewig weiter, aber an der Abzweigung mussten wir links, durchs Maisfeld. Ich trabte und lenkte ihn um die Kurve, schon gleich danach ein zweiter Galopp. Es war immer ein großer Unterschied, Audrey zu reiten, die zwar schnell und ausdauernd war, aber Mercurio hatte so viel Sprengpulver im Blut, ein 1000 Meilen Rennen würde ihn erst platt machen. Am Ende des Weges musste ich durch parieren. Er schnaubte tief und schüttelte den Kopf hin und her. ,, Jetzt reicht es!“, sagte ich etwas strenger. Irgendwann musste ich mal durchgreifen und ihm sagen, dass Schluss ist und klar machen wer hier eigentlich der Boss ist. Mercurio verstand die Welt nicht mehr. Wir waren fast wieder da. Obwohl der Ritt lang war, waren wir wieder viel zu schnell zurück. Er schwitzte nicht einmal. ,, Oh man oh man.“, sagte ich kopfschüttelnd und sattelte ihn ab. Dann verpasste ich ihm eine ordentliche Dusche und ein paar Karotten. Schließlich brachte ich Mercurio wieder zurück auf die Weide, dieser galoppierte davon ohne einen Blick zurück. Er war eingeschnappt, aber ich konnte eben nicht jeden Tag 4 stunden reiten gehen, oder 6 Bahnen die Rennbahn entlang reiten. Er musste sich damit abfinden ob es ihm nun passte oder nicht.
Nephilim wieherte schon sehnsüchtig raus gelassen zu werden. Er war wieder dreckig, was hatte ich auch erwartet. Ein richtiger Schmutzfink und dann war er auch noch so frech und klaute mir einige Leckerlies, die ich in einer Tasche in der Box liegen gelassen hatte. Ein großer Fehler. ,, Du bist mir vielleicht einer. Kommst ganz nach deinem Vater.“ Er schüttelte sich. Als begann ich wieder ihn zu putzen, war aber schnell fertig. Nun ging es auf den Platz. Ans Halfter war er gewöhnt, aber es folgten Grundregeln, wie nicht an einem Rumknabbern, oder beißen…so vieles was einem Fohlen von Anfang an verboten werden sollte. Vor allem nicht bei mir. Ich fing an mit ein paar Runden im Schritt. Einfach nur führen, denn ihm war das doch noch etwas unheimlich einem Menschen zu folgen und nicht seiner Mutter. Ab und zu blieb er stehen, drehte sich zu mir und wusste gar nicht was er da tun sollte. ,, Na komm schon, auf geht’s!“, meinte ich und hob ihm ein Leckerli hin. Sofort begann er zu laufen. Ich lobte ihn. Nephilim hüpfte herum und wollte sich nicht konzentrieren. Ich legte eine Pause ein und ließ ihn auf dem Platz herumlaufen. Nach circa einer viertel Stunde, begann ich erneut und führte ihn, bis er mir folgte. ,, Du lernst schnell!“, sagte ich und machte Drehungen nach links und Drehungen nach rechts. Durch Stangen, über Stange, was erst bei dem 9 Versuch klappte. Die Stange könnte ja beißen. Ich ließ ihn vom Halfter und Nephilim kam auf mich zu und knabberte an mir herum. ,, He Nein, das gibt’s hier nicht!“, sagte ich und stupste ihn weg. Er hob den Kopf gewarnt und ging zur Seite. Er versuchte es weiter. Ich gab ihm einen Klaps auf die Nase und schließlich verstand er, dass es irgendwie nicht mehr klappte. Ich ließ ihn noch ein bisschen rumlaufen, er musste jeden Busch und jeden Strauch genauestens untersuchen. Jeder Kieselstein konnte ja irgendwas schlimmes sein.
Irgendwann, es dämmerte bereits führte ich ihn vom Platz, zurück auf die Koppel. Dort rannte er sofort wieder zu Yurica, die schon sehnsüchtig auf ihn wartete. Mutterliebe. Ich verräumte alles und machte mich auch auf den Heimweg. Ich war müde, kaho und völlig ausgepowert.
Als ich zur Haustür reinkam empfing mich Phillip und küsste mich. ,, Hab ich dich jetzt für den Rest des Tages . Soll ich den Zettel fragen?“ Ich grinste. ,, Alles erledigt.“ Er führte mich durch das Haus. Luna und die zwei Kleinen lagen im Korb und schliefen tief und fest. Gott sei Dank. Melody war weg. Er führte mich in den Garten, ich erstarrte. Da stand ein Tisch gedeckt, Kerzen, Rosen und es roch nach Kartoffelauflauf. ,, Oh mein Gott, das hast du…“ ,, Wer sonst, Melody war es bestimmt nicht.“ Sie lag neben dem Tisch und schaute zu uns. Ich küsste Phillip romantisch. ,, Danke…..“ Na ja den Rest des Abends verbrachte ich also damit mit Phillip zu essen und später tot müde ins Bett zu fallen. Eins war sicher ein weiterer tagesplan war gestrichen und mein Magen war ordentlich gesättigt.
