Obelix wusste, dass er leise sein musste, ließ sich - wie immer - anstandslos putzen. Drei weitere Pferde von der linken Seite lagen auch. Früh morgens gabs also schonmal viele Schläfer hier, das war ja gut zu wissen. Ich genoss diese stille Zeit und war erst um sechs fertig. Ich holte meinen VS-Sattel und seine Trense, außerdem noch Gamaschen. War doch gutes Wetter für einen Ausritt in die Geländestrecke. Ich hatte nur gehört, dass die Hindernisse momentan L-Höhe hatten, also super für uns. Gesattelt und getrenst schaute Obelix Ronja an. Hm, ja, daran hatte ich nicht mehr gedacht.
Springen mit Hund sollte schwierig werden... aber dann sah ich, dass die Dame ganz brav an Circes Box stand, ich ließ sie also leise rein und schloss die Tür. Circe schnaubte auf eine sanfte Art und erlaubte Ronja, sich zwischen ihr Beine zu legen. Dann legte sie selbst ihren Kopf auf den Hund ab, was Ronja ihrerseits nur mit einem Lecken quittierte. Nachdem ich noch schnell ein supersüßes Foto davon gemacht hatte, gings dann los. Eine Gerte hatte ich nicht dabei, aber Obelix schritt kräftig aus. Es wehte kein Wind, was die kühle Luft sehr angenehm machte. "Na, wir zwei!" sagte ich, dann gurtete ich nochmal nach.
Wir kamen an seiner Koppel vorbei, da standen die beiden Paints, aber auch ein dritter Hengst. Er war Obelix nicht unähnlich, nur Gold, wo Obelix silber war. Es sah imposant aus und schaute uns nach. Vielleicht war das ja Raa, der neue Hengst meiner Schwester. Sie hatte es auch hierhin verschlagen, und sie liebte solche gutaussehenden Pferde. Ich würde sie mal fragen, wie viel er denn drauf hätte. Die zweite Hengstweide war ja noch komplett leer. Ich bog danach ab Richtung Militarystrecke. Jetzt sollten wir uns aber langsam warm traben. Ich drückte meine Schenkel leicht in Obelix Seiten und nahm die Zügel auf. Er reagierte sofort, trabte an und schnaubte kräftig. Er war sehr flott unterwegs, aber das störte mich nicht. Beim Leichttraben flog die Landschaft vorrüber und es dauerte nicht lange, da setzte ich mich einmal tief rein und wir waren sofort im Galopp. Ich lobte den Hengst, der wieder entspannt schnaubte und mehr ausgriff, als ich in den leichten Sitz ging. Er hatte so schöne Gänge und gehorchte schon vor der eigentlichen Hilfe! Ich beglückwünschte mich selbst zum Kauf und ließ ihn noch mehr ausgreifen. Der Dreiklang verlockte zum Träumen, es war ja noch keine andere Seele um halb sieben unterwegs!
"Dafür reite ich." murmelte ich. Dann richtete ich mich auf und setzte mich tief rein, sofort waren wir in einem lockeren Trab. Ich konnte die ersten Sprünge schon sehen und saß jetzt aus. Mit ein paar Volten hatte ich ihn schließlich schön versammelt in ruhigem Tempo. Dann galoppierte ich an und wir setzten über ein paar Sprünge. Es machte ihm Spaß und er versuchte mir sehr zu gefallen. Es erstaunte mich, wie gut und routiniert er sprang. Es war gut gewesen, ein etwas älteres Pferd zu kaufen. Fabi suchte sich ihre Lieblinge eben sehr gut aus! dachte ich lächelnd, als ich ihn vor einem Hochsprung noch einmal mit Schenkeldruck animierte. Er arbeitete fast alleine, man merkte ihm an, dass er es liebte, selbstständig zu sein. Ich registrierte die einzelnen Sprünge nach einer Weile gar nicht mehr, es war immer nur auf - ab, aufnehmen - nachgeben, manchmal ging es terassenweise runter oder hoch (ne Art Treppe), dann griff er schön aus und sprang immer passend. Solange man ihn machen ließ, schaffte er die Sprünge sehr gut.
Wir hatten die Strecke schon lange hinter uns, als er langsamer wurde. Ich erlaubte ihm sofort durchzuparieren und machte mich Richtung Gestüt. Nach zehn Minuten - um halb acht - parierte ich durch zum Schritt. Obelix hatte noch nicht viel Kondition und war ziemlich nass und auch mich hatte der Ritt etwas angestrengt. Das machte die Erholung jetzt aber wett. Auf dem Gestüt war jetzt mehr los, Jordyn und Fabi fütterten Heu. Ich musste mir noch überlegen, wie ich füttern wollte. Wenn es um halb acht Heu gab, würde ich versuchen, täglich um acht Kraftfutter zu füttern. Auch jetzt gab ich Obelix sein Kraftfutter, ebenso Circe. Ronja begrüßte mich schwanzwedelnd und zeigte sich sehr liebenswürdig. Um acht waren meine zwei fertig mit dem Kraftfutter und hatten auch schon Heu gefressen. Ich holte Obelix wieder raus, während Circe sich wieder hinlegte. Ich bestaunte das Pferd, denn draußen war jetzt viel los, die ganzen vormittagreiter waren gekommen, zwei machten ihre Pferde lautstark sich unterhaltend in der breiten Stallgasse fertig. Obelix freute sich, gleich auch noch auf die Wiese zu kommen. Er wartete ruhig, bis ich seinen Strick gelöst hatte und ihm noch eine Möhre gegeben hatte. Dann stob er mit den andren Pferden davon. Ich schaute ihnen eine Weile zu, dann kam plötzlich Raa zu mir. Ich kannte ihn schon von dem Verkaufsstall. Auf seinem Halfter war Raa-Rebekka eingestickt, er gehörte also wirklich ihr. Freute mich für sie. Als mein Handy klingelte, stürmte er davon. Ich lächelte. "Ja, Schatz, ich komm jetzt nach hause und Ronja ist auch bei mir..." Ich beschloss, heute mittag wiederzukommen.
