Warrior Princess: Männerängste Teil 5
Ich wachte verschwitzt auf, wusste nicht so recht ob ich aus Angst oder nur wegen der Wärme schwitzte. Aber ich hatte nur einen Gedanken im Kopf, heute würde sich herausstellen ob sich die harte Arbeit mit Princess gelohnt hatte. An diesem morgen ging ich mit gemischten Gefühlen zum Esstisch, Appetit hatte ich auch keinen. Was war los? Vielleicht war es einfach Angst zu versagen. Heute war der Härtetest, sozusagen der Moment der alles entscheiden würde. Mich überkam ein plötzlicher Kälteschock. Ich fing an zu zittern, drehte die Heizung hoch und schaute auf das Thermometer. 29 Grad waren es draußen. Da konnte doch irgendwas nicht stimmen mit mir. Ich hielt einen Moment Inne und trank meinen Kaffe schwarz, vielleicht war ich einfach noch nicht richtig wach. Benommen ging ich ins Wohnzimmer und suchte nach meiner Reithose die ich hier irgendwo verloren hatte, nein eher verschlampt hatte. Ich fand sie schließlich unter dem Sofakissen und schlüpfte hinein. Ich erschrak als mich jemand von hinten umarmte. Oh Gott ich hatte ganz vergessen, dass Phillip da war. Was zum Teufel wurde hier gespielt?
,, Oh Gott du bist es.“
,, Hast du jemand anderen erwartet?“, flüsterte er mir ins Ohr.
,, Nein eigentlich nicht…“, meine Stimme brach ab und ich löste mich von ihm.
,, Also los lass uns gehen.“, munterte ich mich selbst auf und raste zur Tür, an der Melody stand und wartete mitgenommen zu werden.
,, Zu Befehl!“, rief er mir hinterher und stolzierte wie ein Soldat in Richtung Ausgang. Ich lachte.
,, Schwachkopf! Na komm Melody du darfst mit…ausnahmsweise.“, sagte ich nachgebend und lief zum Wagen.
,, Los wir holen sie.“
,, Wir?!“
,, Ja du kommst heute mit….“, sagte ich und merkte wieder diese innerliche Anspannung. Ich atmete schwer und unterdrückte das mir fremde Gefühl. Phillip schleifte hinter mir her, das Halfter von Princess in der Hand. Am Weidezaun stand Princess nicht weit von uns entfernt. Ich beauftragte Phillip sie zu rufen und sie sah auf, blieb stehen und starrte und nur an.
,, Okay jetzt geh ganz langsam auf sie zu. Also wirklich langsam.“ Phillip lief vor ich blieb stehen und beobachtete einfach nur.
,, Los Kleines zeig mir was du gelernt hast.“ Phillip ging Schritt für Schritt auf sie zu. Princess blieb vorerst wie angewurzelt stehen, doch als nur noch eine Armlänge zwischen ihnen stand wurde sie unruhig und hob den Kopf höher. Sie spitzte die Ohren mal vor mal nach hinten. Phillip streckte die Hand aus in der ein Leckerli lag. Sie neigte ihren Kopf, schnupperte und wich einen Schritt zur Seite, rannte jedoch nicht davon.
,, Knie dich hin.“, rief ich ihm zu und Princess sah mich an. Nach dem Motto ,, Komm bitte her dann bin ich sicher“ und gleichzeitig dieser Blick von Sicherheit, zwar zögernd aber doch wachsam. Dann endlich wagte sie den Schritt, sie ging auf ihn zu beugte ihren Kopf zu ihm und nahm das Leckerli, kaute und beschnüffelte Philipp. Langsam stand er wieder auf zog ihr das Halfter über und kam strahlend auf mich zugelaufen. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Aber ich wollte viel mehr als nur, dass er sie streicheln konnte. Der eigentliche Test folgte erst. Vorsichtig putzte er Princess, die Situation war angespannt und ich wusste bei der kleinsten falschen Bewegung drehte sie durch. Doch je mehr Zeit verging, desto lockerer wurde sie und Phillip auch. Ich konnte nun mal nicht von ihm verlangen seine Angst vor ihr zu unterdrücken, denn wenn sie durchdrehte dann richtig und das würde eher kein gutes Ende geben. Ich hielt mich vollkommen aus dem ganzen Akt raus und ließ die Beiden machen. Während dessen beschäftigte ich mich mit Melody, die mir dauernd den weg geworfenen Stock wiederbrachte. Ja sie war durchaus ein aufgeweckter Hund.
Phillip war fertig und nun war das satteln an der Reihe.
,, Okay hol den Englischsattel und eine gebisslose Trense, für den Anfang genügt das.“ Er schaute erst entsetzt dann fest entschlossen es zu schaffen. Princess fühlte sich etwas bedroht als Phillip mit dem Sattel kam.
,, Stopp warte, erst die Decke, dann Sattel, alles Schritt für Schritt.“ Es klappte sie fand sich damit ab und schließlich war sie auch fertig für den Platz. Diesmal führte ich Princess zum Platz und stieg auch als erste auf ihren Rücken. Ritt ein paar Runden und übergab sie dann an Phillip, der ein verzerrtes Gesicht machte. Jetzt musste ich ihm doch Mut machen.
,, Schatz, dir wird nichts passieren. Du darfst jetzt auf keinen Fall Angst zeigen, Unsicherheit oder etwas anderes. Nichts der gleichen, denn das verunsichert sie und dann weiß sie was los ist, okay? Packst du das.“, er nickte seufzte tief schloss die Augen und stieg in den Steigbügel. Gut damit war es getan, er war oben und lief eine Runde im Schritt. Princess stakste wild umher, doch als er ihr Schenkelhilfen gab und sie ihren Hals bog wurde es etwas besser. Immer noch sah ich, dass sie unsicher war, sehr unsicher.
,, Wird lockerer, nehm die Zügel an, mach dich groß und trab an.“, sagte ich und er setzte es um. Ein kleiner Trab, denn Princess lief überhaupt nicht schön. Sie brauchte eben Zeit und die gab ich ihr auch. Einen Zirkel, aus dem Zirkel Wechseln, ganze bahn, Volte und noch mal von vorne. Dann antraben und puff Princess lief besser. Ihre Augen waren nun nicht mehr mit Angst und Unsicherheit sondern ihrer Bewegungen zeigten Normalität, Zusammenarbeit und sogar ein bisschen Freude, wenn auch nur ein Funken davon. Melody jaulte und sah schräg zu mir hoch, sie saß neben mir und jaulte einfach nur.
,, Pscht jetzt. Aus!“ Sie schwieg und Phillip setzte in der nächsten ecke zu einem Galopp an. Aber parierte sofort wieder durch weil sie im Rechtsgalopp statt im Linksgalopp war. Also wiederholten wir das ganze und beim zweiten Mal war sie richtig. Sie bog sich in die Kurven und im Zirkel und nun wusste ich, dass ich Erfolg hatte. Princess hatte ihre Angst überwunden und war nun nicht mehr nur für Frauen verkäuflich, was mir einen weiteren Funken Hoffnung gab das sie eines Tages auch einen Besitzer finden würde.
Wir sattelten sie ab und brachten sie zurück in die Box. Phillip war stolz auf sich und Princess, er lobte sie und machte ihr Futter. Dann kam es zum Abschied und ich bedankte mich bei ihr.
,, Danke Süße. Danke für alles.“, flüsterte ich ihr ins Ohr und ging mit Melody an meiner Seite zum Auto, wir fuhren los und kamen nach 15 Minuten, wegen des vielen Verkehrs zu Hause an und legten uns aufs Sofa. Ich hatte eine E-Mail, in der schon der nächste Auftrag erwähnt war. Von Lara. Napoleon war also an der Reihe, ich hatte ihr ja damals versprochen ihr zu helfen und dieses Versprechen würde ich auch gleich nächste Woche einhalten und mit dem schwarzen Hengst beginnen.
,, Aber diesmal muss ich nicht her halten, oder?“
,, Nein du darfst dich ganz und gar deiner Arbeit widmen.“, seufzte ich und lehnte mich an seinen Arm. So ging ein Abend zu Ende und die Gefühle von heute Morgen hatten sich in Luft aufgelöst.
