Überglücklich über die Erlaubnis etwas mit Frekja zu unternehmen eilte ich wieder zurück zu ihrer Box und sagte: „Hey du Süße, du kannst dir nach der Fahrt etwas die Beine vertreten.“ Lieb und neugierig sah die Stute mich an und ich ging erst einmal ihre Sachen holen, die schon an ihrem Platz in der Sattelkammer standen. Mühsam schleppte ich den isländischen Sattel, die dazu passenden Trense, Gamaschen und die Putzsachen zur Box der Scheckin. „Da bin ich schon wieder“, sagte ich fröhlich und nahm das Halfter, das ich vor kurzem erst an die Tür der Box gehängt hatte. Brav ließ sich die Stute das Halfter anlegen und folgte mir ebenso problemlos auf die Stallgasse hinaus. Nun hoffte ich natürlich, dass sie beim Reiten und Putzen ebenso einfach und freundlich sein würde.
Beim Hufe auskratzen war Frekja etwas ungeduldig, gab ihre Hufe schnell, aber wollte sie nach kurzer Zeit wieder abstellen, wenn ich etwas länger brauchte, Als ich mir dies aber nicht gefallen ließ, versuchte sie es beim gleichen Huf auch kein zweites Mal. Das säubern des Fells dauerte etwas länger, da es flauschig und dicht war, wie bei Isländern üblich. So hatte sich auch eine Menge Staub verfangen, der erst einmal mit dem Striegel an die Oberfläche geholt werden musste. Dabei war Frekja sehr ruhig und ich genoss es bei der lieben Stute zu sein, dessen weiches Fell ich gerne streichelte. Selten hatte ich so ein wunderschönes Pony wie gesehen, war ich auch doch eher ein Fan von Sportpferden, wie Candy eines war. Meine Candy, dachte ich und auch beim Gedanken an sie lächelte ich augenblicklich. Nie hätte ich gedacht zwei so wunderbare Pferde an einem Tag kennen zu lernen. Fleißig putze ich weiter und begann dann zu Satteln, den Schweifriemen, sowie die Gamaschen, anzulegen. Dann begann ich zu Trensen, was doch etwas kniffliger wurde, da Frekja das Maul nicht gerne öffnen wollte.
Zusammen liefen wir aus dem Stall hinaus zum Hoftor. Dort stellte ich mir die Steigbügel ein und zog den Gurt noch einmal nach. Dabei schnappte die Isländerin leicht zu meiner Seite hin. „Hey!“ tadelte ich sie und Frekja ließ mich nun ohne Probleme aufsteigen. Kurz überlegte ich und nahm dann den Weg in Richtung See. Der Feldweg führte am Waldrand vorbei und ich blickte auf die kahlen Bäume und das bunte Laub am Boden. Frekja lief fleißig voran und schien jetzt schon sehr bequem zu reiten zu sein. Ihr Atem und meiner bildete kleine Wölkchen und ich spürte, dass ich meine Reithandschuhe hätte anziehen sollen. Nachdem wir dem Weg eine Zeit lang gefolgt waren überlegte ich, ob es nicht Zeit für eine etwas schnellere Gangart war. Kurz musste ich über die Hilfe zum Tölt nachdenken, dann fiel sie mir aber klar und deutlich wieder ein. Frekja schien diese Gangart auch sehr zu liegen, denn sie wechselte taktklar und fließend, wofür ich sie begeistert lobte. Ich hatte ewig nicht mehr auf dem Rücken eines Isländers gesessen, der diese zusätzliche, wunderbare Gangart beherrschte. Sie war weich zu sitzen und einfach traumhaft, was ich in der langen Zeit fast vergessen hatte, obwohl ich mir bei meinem letzten Tölt geschworen hatte mich öfter mit Isländern zu beschäftigen. Nun hatte ich diese Möglichkeit direkt vor der Nase und ich wollte sie nicht noch einmal verstreichen lassen. Mit etwas Mühe parierte ich Frekja zum Schritt durch. Die Stute wollte anscheinend lieber noch weiter tölten, aber ich machte mich im Sattel schwer und blieb konsequent. Der See war bereits in Sicht gekommen und ich bewunderte die Nebelschwaden, die über ihm aufstiegen. Der Moment war einfach perfekt und ich hielt Frekja an, um das Naturschauspiel zu beobachten. Auch die Stute schien auf den See zu schauen und ich kam mir vor, wie in einem alten Film. Vielleicht ‚Jane Eyre‘ oder ‚Emma‘. Nach einiger Zeit riss ich mich von dem wunderschönen Anblick los und umrundete mit der lieben Isländer Stute den See. Frekja war wirklich geländesicher und lief sicher, sowie absolut schreckfrei.
Ich war fast etwas traurig, als der Hof wieder in Sicht kam, andererseits war ich auch gespannt mit Fabienne noch einmal über Frekja zu sprechen. Zurück im Stall befreite ich die Stute von Sattel, Trense und Gamaschen und kratzte ihr noch einmal die Hufe aus. „Bin gleich wieder da“, versprach ich der Scheckstute und eilte in die Sattelkammer, um alle Sachen wegzubringen und die Abschwitzdecke zu holen, die ich Frekja sofort auflegte. Die Zeit, die Fabienne mir gegeben hatte, um etwas mit Frekja zu war gerade um, aber ich nahm mir noch einige Minuten, um die liebe Stute zu kraulen.
