Dort angekommen führte mich mein Weg zur Koppel. Ich wollte meinen Kleinen besuchen. Seit ein paar Tagen nach seiner Geburt steht er mit Vicky auf der Weide, zusammen mit den anderen Fohlen, wie Aurea Olena und Nephilim. Ich muss sagen, dass alle sich irgendwo ähnelten. „Vicky!“, rief ich der Stute zu und sie kam auf mich zu getrottet. Zur Begrüßung bekam sie ein Apfel von mir, den sie genüsslich zermalmte. Klein Vic kam gleich hinterher gesprintet. „Na Kleiner! Du siehst deinem Papa so ähnlich!“, sagte ich zu dem winzigen Hengst, der jetzt neben seiner Mama stand. Schon jetzt hatte ich das Gefühl, dass er wieder ein paar Zentimeter gewachsen ist, was natürlich nur totale Einbildung war. Aber eins sah man. Sein Fell wurde von Tag zu Tag heller, es stand fest, dass er nicht so dunkel blieb. Nach einer Viertelstunde bei meinem Pferdenachwuchs ging ich zurück zum Hof.
Dort traf ich auf Fabi, die gerade dabei war ihre Pferde fertig zu machen. Sie stand mit Chardy und Bandito beim Putzplatz, anscheinend würde sie auf Turnier gehen. „Wohin geht’s denn, Madame?“, fragte ich sie, während ich auf sie zuging. „Ein Turnier in der Umgebung. M-Dressur mit Chardy und ein S-Springen mit Bandi.“, ich grinste sie an und umarmte sie zur Begrüßung. „Viel Glück!“, sie grinste mich dankend an. „Der Kleine macht sich ganz schön, oder?“, fragte ich sie. „Oh ja, sehe ich auch so! Ich war vorhin auch bei den Beiden.“ … „Ich werde mich dann auch mal um meine Pferde kümmern, bis später und ich drück‘ dir die Daumen!“, zur Verabschiedung drückte sie noch einmal fest und ging dann in den Stall. Zuerst ging ich zu meinem frischgebackenen Papa. Ich wollte heute an seiner Springausbildung feilen. „Hallo Hübscher!“, er begrüßte mich mit einem Schnauben. Auch ich bot ihm einen Apfel an, der natürlich innerhalb von Sekunden verspeist war. „Na los, dann wollen wir mal arbeiten!“, ich halfterte meinen Hengst auf und führte ihn zum Putzplatz… (zu lesen in Shine's Springausbildung: L auf M).
…bei Peach angekommen, wusste ich noch nicht so wirklich, was ich mit ihr machen sollte. Ich setzte mich erst einmal zu ihr in die Box. Sie streckte ihren Kopf zu mir runter und ich lehnte mich an ihren Kopf. Unser Vertrauen zueinander wurde von Tag zu Tag größer, worüber ich sehr stolz war. Die Parelli-Lektion von Fabi trug natürlich dazu bei. Auf einmal hörte ich wie die Stalltür aufging und jemand die Gasse entlang lief. Die Person lief einmal hin und wieder zurück. Irgendwie schien sie sich nicht ganz auszukennen. „Warte Peach, ich schau‘ mal nach!“, ich strich meiner Stute über ihre Blesse und stand auf. Ich öffnete leise die Boxentür und schaute heraus. Am Stalleingang stand ein Mann, ein ziemlich junger Mann. Vielleicht sogar in meinem Alter? Auf einmal drehte er sich um, und mich traf bald der Schlag. Ich schloss die Tür, leider etwas zu laut und ließ mich ins Stroh fallen. Hoffentlich hatte er mich nicht gehört! Ich kannte diesen Jungen, sehr gut sogar. Was wollte er hier? Ich hörte die Schritte, die langsam auf die Box zukamen. Die Boxentür ging auf und Peach schnaubte unruhig, sie mochte keine Fremden. „Hallo?“, fragte diese allzu bekannte Stimme. „Ähm hallo!“, sagte ich unsicher und stand auf. Hoffentlich erkennt er mich nicht, dachte ich mir. Falsch gedacht. „Sase?“, fragte der junge Mann. Ich nickte nur und schaute verlegen zur Seite. Er sah immer noch verdammt gut aus und hatte sich kaum geändert. Er grinste…dieses verführerische Lächeln, welches mich damals schon um den Finger gewickelt hatte. „Felix, was tust du hier?“, sagte ich, mit einem wahrscheinlich nicht so freundlichem Unterton. Er schaute mich verdutzt an. Felix…Felix war meine große Liebe. Ganze zwei Jahre war ich mit ihm zusammen, er war einfach perfekt, wir waren einfach perfekt. Seit er in der 11. Klasse an unsere Schule gekommen ist, hatte ich nur noch Augen für ihn und ziemlich schnell hat er mich auch verführt bekommen. „Ich bin auf der Suche nach einem Pferd, du?“, was? Er reitet? „Ich wohne hier in der Nähe und meine Pferde stehen hier.“, er blickte auf meine Stute hinter mich. „Deins?“, ich nickte und trat ein Stück zur Seite. Schon jetzt fühlte ich mich so vertraut in seiner Umgebung. „Schickes Tier!“, ich grinste ihn an. „Zeig mir deine anderen Pferde!“, ich nickte und führte ihn aus dem Stall. Schon jetzt lachten wir wieder und die Zeiten von damals waren wie weggeblasen. Nur er (und natürlich ich) wussten, was damals passiert war. Alles war super, doch auf einmal wurde er rasend eifersüchtig. Auf alles und jeden! Selbst auf meine Eltern. Er fing an mich zu schlagen, und das nicht nur einmal. Aber ich konnte ihn nicht verlassen, ich liebte ihn zu sehr. Doch irgendwann hat er mich fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel, mein Körper übersät mit blauen Flecken…sollte jetzt alles vergessen sein?
Wir gingen zusammen zur Koppel, ich zeigte ihm Shine und seinen Nachwuchs, klein Vic. Er war stolz, auf mich? Theoretisch konnte ich auch stolz sein, aber wieso musste mir das ausgerechnet der verhasste Ex sagen? Ich hatte solange gebraucht, um über ihn hinweg zu kommen. Jason half mir dabei. Er gab mir wieder den Lebensmut. Wieso holte die Vergangenheit mich wieder ein? „Du hast es echt geschafft.“, wie meinte er das? Ich schaute ihn fragend an. „Deine Pferde, dein Leben, dein Job.“, ich grinste ihn dankend an. Komisch, dass er mich noch nicht auf meinen Beziehungsstatus ansprach. Mein Verlobungsring schien er noch nicht gesehen zu haben. Aber seine Stimme, dieser vertraute Klang tat so gut. Verdammt, was machte ich hier? „Du hast dich kein Stück verändert. Du bist immer noch wunderschön, wenn nicht sogar noch schöner.“, der Hauch seiner Stimme streifte mein Gesicht, mir wurde schwummrig. Er nahm seine rechte Hand und strich mit dieser über meine Wange. Ich fühlte mich pudelwohl, ich lehnte mich an seine Hand. „Ich habe dich vermisst.“, hauchte er wieder. Nein, er konnte jetzt nicht mein Leben durcheinander bringen. Nicht jetzt! Er kam mir immer näher, NEIN! Ich befreite mich diesmal selbst aus dieser Situation, schnell rannte ich weg. Rennen, einfach rennen! Irgendwann kam ich bei einer Weide an, ich ließ mich fallen und lehnte mich an den Baumstamm. Mein Kreislauf hielt das nicht stand, ich sackte zusammen und brach in Tränen aus. Es stellte sich nur eine Frage. Wieso?
Der nächste Teil folgt bald.

