Ich lag im Bett und kugelte mich vor lauter Schmerzen hin und her. Leider half auch das nichts. Es war dunkel, zu dunkel für einen Morgen im Mai. Langsam schlug ich die Augen auf und schaute auf den leeren Platz neben mir. Na super! Ich stand auf, torkelte herum und fiel sofort wieder ins Bett. „Scheiß Wetterumschwung!“, fluchte ich vor mich hin und hielt mir dabei den Kopf. Nach einem Moment versuchte ich es erneut. Ich stand auf und ging zum Fenster, wo ich das Rollo nach oben machte. Oh, Gewitter & Regen. War ja nicht anders zu erwarten! Sobald ein Blitz die Erde traf und der Donner über mich kam, stach es in meinem Kopf. Langsam und mit einer Hand an der Wand abstützend, ging ich hinunter in die Küche. Dort traf ich sowohl auf Jason als auch auf Nicci. „Keine Arbeit?“, sagte ich leise, während ich mich zum Schrank begab. „Ähm, ebenfalls guten Morgen. Nein, ich habe mir frei genommen.“, ich nickte nur, wobei ich wusste, dass er es nicht sah. Ich griff nach einem Glas und füllte es mit Wasser, dann suchte ich Paracetamol. Gefunden. Schnell schmiss ich mir zwei der Tabletten ein und setzte mich an den Tisch. „Wetterumschwung?“, fragte Jason. Ich nickte, schon wieder. Ich sollte diese Kopfbewegung am besten lassen, dabei tut mein Kopf noch mehr weh. „Ich hab übrigens eine Überraschung für dich!“, sagte Jason fröhlich, während er durch die Küche huschte. Was ist es diesmal? Ein Candle-Light-Dinner, Blumen oder Schmuck? Oh man, ich war echt fies. Ich schaute zu ihm auf und versuchte erwartungsvoll zu gucken. „Gehst du heute nach Pandora?“, fragte er und ich schüttelte mit dem Kopf. Aua. Tabletten wirkt endlich! „Nein, Peach wird zur Zeit genug von Caro bewegt und außerdem haben Beide Turniere hinter sich. Gut, da ist ja noch Vic, aber er zählt ja nicht wirklich.“, Jason nickte und begann zu essen. „Wir gehen heute auf eine Auktion, ganz in der Nähe.“, ich versuchte begeistert zu gucken, aber das gelang mir absolut nicht. Wow, das wird ja ein spaßiger Tag. Wir aßen zusammen, wobei er wohl mehr aß, und packten dann unsere Sachen. Nicci kam zur Nachbarin, aber vorher ging ich noch eine Runde mit ihr. Vielleicht tat frische Luft ja gut? Ne, irgendwie nicht. Zuhause angekommen ging es mir immer noch nicht besser. Jason stand bereit am Auto. Ich brachte Nicci schnell weg und stieg ein. „Wie lange fahren wir?“, fragte ich Jason. „Höchstens eine Stunde.“, genug Zeit zum Schlafen. Ich schloss meine Augen und begann zu dösen…
„Schatz, du musst aufwachen!“, sagte Jason ruhig und strich mir meine Haare aus dem Gesicht. Klasse, das Gefühl im Kopf kannte ich doch. Ich hievte mich aus dem Auto und blickte über das Gelände. Also eine normale Auktion war das nicht, hier waren doch nur verwöhnte Snobs? „Sicher, dass wir hier richtig sind?“, fragte ich meinen Verlobten und schauten ihn unzufrieden an. Er nickte nur selbstsicher und packte mich am Arm. Wir kamen in ein riesen Gebäude, welches den Stall darstellen sollte. „Schau‘ dich um, vielleicht gefällt dir ja jemand?“, sagte Jason und schickte mich los. Ich hatte keine Lust darauf zu antworten, denn eigentlich hatte ich im Moment genug Pferde. Naja, schauen kostet ja nichts. Meine Blicke schweiften von einer Box zur nächsten. Dann fiel mein Blick auf ein Pferd, welches mir den Blick erwiderte. „Na wer bist denn du?“, fragte ich das wunderschöne, apfelschimmelfarbene Pferd. Johann hieß er. Er schnaubte ruhig und trat näher an die Gitterstäbe. Ich griff hindurch und streichelte über seine Stirn, er genoss es sichtlich. Dann studierte ich seine Informationstafel. Wallach, Hannoveraner, neun Jahre und zu verkaufen. „Dich will wohl keiner?“, fragte ich den Wallach erneut und streichelte ihn. „Doch!“, hörte ich eine allbekannte Stimme. Felix. Mir fielen wieder mal die Augen aus dem Kopf. „Schön dich wiederzusehen, Süße!“, sagte er mit seiner schmierigen Stimme. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite!“, sagte ich ironisch und ohne jeglichen Blickkontakt. Ich widmete mich weiter Johann. „Er wird bald mir gehören, wunderbares Tier, nicht? Er ist super in der Dressur. Rechne dir die Chancen nicht zu hoch aus, ich habe da meine Mittel.“, ich schüttelte nur den Kopf. „Was willst du eigentlich von mir? Rache? Ihm wird es bei dir sicherlich NICHT gut gehen.“, er gab nur ein widerliches „tzzz“ von sich, drehte sich auf dem Absatz und ging davon. Jason kam wieder und nahm mich in den Arm. „Dem zeigen wir es!“, ich nickte nur und war den Tränen nah. Hand in Hand gingen wir zur Auktionshalle, wo alle herumstöckelten und fröhlich Champagner tranken. Wir passten hier wirklich nicht rein. Aber naja, die Pferde waren das Wichtigste und nicht die Snobs. Felix saß uns gegenüber und grinste mir immer wieder zu. Ich hasste ihn so sehr.
Im Ring standen viele schöne Pferde, auch Fohlen. Meist englischgerittene Pferde mit Schwerpunkt in der Dressur. Es wurde sogar ein Vollbruder von Isabell Werths Pferd Satchmo vorgestellt. Jedoch gefiel mir Satchmo immer noch besser. Alle Pferde wurden nach und nach ans Publikum „verteilt“. Geld schien hier keine Rolle zu spielen. Wie viele Flaschen Champagner hier wohl geköpft wurden? Jedenfalls kam Johann in den Ring. Eine junge Dame mit blondem Haar ritt ihn und legte eine sagenhafte Kür hin. Ich war hin und weg, obwohl ich eher die Springerin war. Johann hatte eine bezauberte Ausstrahlung. Der Auktionier erzählte allmögliche Fakten über Johann, über seine Abstammung oder seine Turniererfahrung. Doch dann kam ein Satz, der mich umhaute und das wortwörtlich gemeint. „Leider ist dieser dressurbegabte Wallach schon verkauft.“, ich blickte auf den Platz von Felix. Dort erwartete ich jetzt ein spöttisches Grinsen. Hatte er jemanden bestochen? Das würde ich ihm durchaus zutrauen! Aber nein? Er saß da und machte genauso ein langes Gesicht wie ich. ER schaute MICH wütend an, aber wieso? Durch die Menge ging ein „Oh“ und alle suchten den Käufer von Johann. Dann schaute ich Jason an. Er saß froh und munter da und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Schließlich machte er eine Kopfbewegung zum Lautsprecher. „Die neue Besitzerin ist Saskia Richter!“, meine Kinnlade fiel runter. „Hast du…?“, fragte ich ihn mit zitternder Stimme. Er nickte und schaute gerissen zu Felix. Dieser sah total wütend aus. „Ich liebe dich!“, sagte ich zu Jason und fiel ihm um den Hals. Ich küsste ihn leidenschaftlich und spürte den eifersüchtigen Blick von Felix in meinem Nacken. „Komm, lass uns nach Hause fahren.“, ich nickte und nahm seine Hand. Die Kopfschmerzen waren wie weggeblasen.
Wir gingen wieder in die Stallungen, wo Johann schon in voller Montur bereitstand. „Er ist wunderschön.“, sagte ich und schmiegte mich an Jason. „Du bist wunderschön!“, ich schaute zu ihm hoch und gab ihm erneut einen Kuss. „Haben wir überhaupt einen Hänger mit?“, er nickte und band Johann los und ging nach draußen. Während er meine neue Errungenschaft bzw. seine Errungenschaft verlud, kümmerte ich mich um Johann’s Sattelzeug. Ich packte alles zusammen und kümmerte mich um den Rest. Auf einmal sah ich einen Schatten hinter mir. Jason konnte doch noch nicht zurück sein? Außerdem würde er sich nicht so anschleichen. Ich drehte mich um und merkte einen heftigen Schlag gegen meinen Kopf, dann war alles schwarz, pechschwarz…
Ich hatte gerade so eine Lust.

