Natürlich gibt es nichts besseres, als an einem Sonntag an den Einladungen für die Hochzeit zu sitzen. Ich saß bestimmt schon 2 Stunden: Text verfassen, Text ausdrucken, Text aufkleben, …! Ich konnte nicht mehr, aber dafür sahen die Karten echt schön aus, den kreativen Teil hatte ich von meiner Mom. Jason saß an seinem Laptop und kümmerte sich ums Catering, suchte helfende Hände und bestellte jetzt schon den Kuchen. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Vorbereitungen gibt, nie! Dabei hatte ich noch nicht mal ein Hochzeitskleid, das Wichtigste für mich! Aber einen Friseurtermin, der stand fest, Klasse! Zum Glück hatten wir das Schloss in der Nähe bekommen, denn es ist meistens ausgebucht, aber Jason ließ seinen Charme spielen. Es stand also fest: 11.6.11. Ich war so glücklich wie nie zuvor! Schließlich war ich mit den Einladungen fertig, ich machte kurz eine Pause und trank einen Cappucino. Jason schien zu verzweifeln. „Verdammt! Ist es denn nur so schwer ein paar Kellner zu finden!“, ich ging zu ihm und küsste ihn auf die Haare. „Du schaffst das! Ich kümmere mich jetzt um die Dekoration.“, er nickte und ich setzte mich an meinem Laptop. Der Saal soll mit Orchideen und Rosen geschmückt werden, alle in einem zarten rosa.
Auf einmal klingelte mein Handy. „Och man, jetzt nicht!“, fluchte ich, dann ging ich ran. Es war Fabi. „Ja?“, sagte ich. „Sase, Sase, Sase! Ich muss dir dringend was erzählen.“, sie war total aus dem Häuschen. „Beruhig dich Fabi! Erzähl, was ist los?“, sie holte tief Luft und dann sprudelte es aus ihr heraus. „Dean hat mir einen Antrag gemacht, wir werden auch heiraten!“, ich glaubte es nicht. Fabi begann zu quietschen und ich quietschte mit. „Fabi, ich freue mich so für dich. Das ist der Wahnsinn echt!“, ich „hörte“ ihr Nicken. „Ja, finde ich auch. Ich bin so überglücklich.“, ich konnte sie verstehen, mir ging es auch nicht anders. „Und wann?“, fragte ich schließlich. „Im April!“ … „So bald schon? Da heirate ich ja nach dir, Frechheit!“, sagte ich ironisch und begann zu lachen, Fabi stimmte ein. „Ach Fabi, ich wollte dich sowieso noch etwas fragen. Wollen wir demnächst mal in die Stadt, du als Trauzeugin musst mir bei der Kleiderwahl helfen!“, sie sagte Ja und wir freuten uns auf den gemeinsamen Tag. „So Fabi, ich muss dann mal Schluss machen. Sehen wir uns nachher auf dem Hof?“, fragte ich sie. „Natürlich, aber erst später, denke ich. Ich fahre mit Dean, Jordyn und Marten irgendwo hin, frag mich aber nicht wo.“ … „Okay, dann wünsch ich euch viel Spaß, sag allen einen lieben Gruß!“ … „Mach ich!“, dann verabschiedeten wir uns. Inzwischen war es schon, ach keine Ahnung. Mit dieser Uhrumstellung kam ich noch nie klar, sollte abgeschafft werden. „Schatz, Lust auf ein Päuschen?“, fragte ich Jason. „Und wie, ich werde hier noch wahnsinnig.“, ich grinste liebevoll und küsste meinen Verlobten. Schließlich sprang ich auf und schmiss mich in meine Reitklamotten, Jason tat es nicht anders. Dann verließen wir mit Nicci das Haus und fuhren nach Pandora.
„Was machst du heute mit Capo, Liebling?“, fragte ich ihn, während wir händchenhaltend zur Koppel liefen. „Ich denke Springtraining, das Turnier steht bald an. Du?“, ich überlegte einen Moment. „Ich denke Shine bekommt heute einen Ruhetag, das Dressurtraining der letzten Tage war hart, für ihn und für mich.“, Jason begann zu lachen. „Was ist?“, er schüttelte nur den Kopf und verstummte wieder. Schließlich brach ich das Schweigen. „Ich werde euch zu schauen.“ … „Das ist schön.“, sagte er und gab mir einen Kuss. Dann fiel mir das Kinderthema wieder ein. Was Jason wohl davon hielt. „Schatz?“ … „Ja?“, ich verstummte wieder einen Moment. „Möchtest du eigentlich Kinder haben?“, Jason blieb stehen. Er dachte nach, immer wenn er nachdachte schaute er auf den Boden. „Ich denke schon, Kinder sind was Tolles. Aber ich würde dir die Entscheidung nicht abnehmen, ich zwing dich zu nichts, mein Schatz.“, ich zwang mich zu einem Grinsen. Ich traute ich mich nicht zu antworten, ich hatte nicht mal eine Antwort. Schweigsam liefen wir weiter. Bald kamen wir bei der Koppel an und holten unsere Lieblinge. Schnell gingen wir wieder zurück und banden Beide am Putzplatz an.
Beide waren nicht sonderlich schmutzig und Jason war viel früher fertig. Er war gerade dabei Capo zu satteln. „Ich geh schon mal zum Springplatz.“, ich nickte. „Ich komme dann nach.“, und schon verschwanden die Beiden. „So Shine, jetzt geht es nur um dich!“, er schnaubte und ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Ich massierte ihn ein bisschen mit verschiedenen Bürsten, dann nahm ich einen Massagehandschuh. Ich musste aufpassen, dass er hier nicht umkippte, so wie er weg döste. Dann machte ich seine Mähne und seinen Schweif wieder schick, denn er hatte einige Äste darin. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat. Auch seine Beine wurden gestriegelt und zum Schluss kratzte ich seine Hufe aus, in welchen sich viele Steinchen befanden. „So, mein Hübscher. Ein bisschen Bewegung bekommst du doch noch.“, sagte ich zu ihm und löste den Führstrick. Ich ging mit ihm zur Führanlage, stellte ihn rein und schaltete sie ein. Den Führstrick schnallte ich mir um und ging dann zum Springplatz, um meinem Freund zu zuschauen. Er ritt gerade im Trab und nahm immer mal wieder ein paar Stangen. Die Zwei passten zusammen wie die Faust auf’s Auge. Zwischen ihnen herrschte irgendeine Spannung, die sie zusammen schweißte. „Sieht super aus!“, rief ich meinem Freund zu, ich sah ihn lächeln. Nach weiteren Minuten begann er zu galoppieren und nahm einige Cavalettis. Bei ihm sah immer alles so leicht aus, aber ich wusste, dass Capo nicht das einfachste Pferd ist. Schon wieder klingelte mein Handy, es war die Frau vom Blumenladen. Sie hatte also meine Mail bekommen. Ich schilderte ihr meine Wünsche und zu wann ich diese bräuchte. Schon wieder was zum Abhaken. Gut, dass ich die Liste immer mit rumschleppte. Jason nahm inzwischen schon einige Sprünge im S-Niveau. Wow, diese waren aber auch recht hoch. Ich bin noch nie S gesprungen, habe es aber natürlich vor. Schon jetzt hatte ich Respekt vor diesen Höhen. Ich legte immer wieder Stangen hoch, welche mal abgeworfen wurden, sonst schaute ich nur still zu. Nach einer halben Stunde machte er Schluss, ich ging zur Führanlage und holte meinen Hengst, welchen ich gleich wieder auf die Koppel entließ, dann half ich Jason.
Mit ihm und Capo gingen wir zurück zum Putzplatz, er war ziemlich durchgeschwitzt. Wir sattelten ihn ab und hängten die Utensilien auf die Stange, dann folgte eine Wasserschlacht am Waschplatz. Ich glaube Jason und ich bekamen mehr Wasser ab, als Capo. Ja, ich glaube meine Stiefel waren durch, aber immerhin sauber! Ich ging dann noch mit dem Schweißmesser durch Capo’s fuchsfarbenes Fell und dann brachten wir auch ihn auf die Koppel, wo er seinen Kumpels entgegen rannte. Dann gingen wir Hand in Hand zurück zum Hof, im selben Moment schienen Fabi, Jordyn, Dean und Marten mit einem riesen Anhänger wieder zu kommen. „Waren sie auf einer Auktion?“, fragte mich Jason. „Sieht ganz so aus!“. Als alle ausstiegen ging ich auf sie zu und informierte mich über ihre Käufe. Sie schienen viele Pferde gefunden zu haben, was mich freute. Naja, ich ging wieder zurück, um Jason beim Aufräumen zu helfen, während sie die Pferde ausluden. Ich sah viele schöne Pferde, mir fiel eine schneeweiße Stute auf, wunderschönes Tier. Ich schnappte mir die Trense und ging mit Jason zum Spind. Im Spindraum hang ein Zettel, den ich erst jetzt bemerkte. Auf dem Stand, dass es neue Verkaufspferde gibt. Mh, nicht schlecht, dachte ich mir. Jason trat an meine Seite und schaute mir zu, wir verstanden einander. Ich schnappte seine Hand und wir gingen in den Verkaufspferdestall.
Dort streiften wir von einer Seite zu der anderen und schauten in alle Boxen. Irgendwie verzweifelte ich, nie fand ich das richtige Pferd. Naja, ein paar Boxen kamen ja noch. Dann sah ich SIE. Mein Herz blieb halb stehen und mir fiel mein Handy aus der Hand. „Schatz?“, sagte Jason besorgt und kam auf mich zu. Ich konnte kaum reden. „Das ist sie!“, stammelte ich und betrat die Box. So ein wunderschönes Pferd. „Schatz wie heißt sie?“, fragte ich ihn, weil er noch vor der Box stand. „Ähm, Peach Power Point.“ … „Peach.“, flüsterte ich in die Ohren der braunen Hannoveranerstute. Nachdem ich mich wieder gefunden hatte, studierte ich ihre Informationen. Oh, ein junger Hüpfer. 5 Jahre ist sie alt und sowohl im Springen als auch in der Dressur schien sie begabt zu sein. „Schatz, holst du Fabi oder Jordyn?“, schon war er verschwunden und ich schmuste mit Peach. Nach 5 Minuten kam er mit Fabi wieder. „Fabi, ich will sie! Sie ist der Wahnsinn!“, ich sah ein Grinsen in ihrem Gesicht. „Dann reite sie doch mal!“, sagte sie und holte schnell das Sattelzeug. Gesattelt war die Hübsche schnell, dann ging es zum Platz. Ich stieg vorsichtig auf und gurtete noch einmal nach, dann ließ ich sie sachte anschreiten. Ihre Gänge, samtweich! Ich konnte sie ohne Probleme sitzen, ihr Wurf im Trab war angenehm. Ich ritt mit ihr einige Dressurlektionen, welche sie alle meisterte. Aber sie war immer etwas vorsichtig und schreckhaft, aber das nahm ich ihr nicht übel. Einmal knarrte der Zaun etwas, wegen dem Wind, das passte Peach gar nicht. Sie machte einen Satz nach vorne, aber ich konnte sie schnell wieder beruhigen. Sobald sie sich wieder konzentrierte, galoppierte ich etwas und sprang mit ihr ein-, zweimal. Dann war es um mich geschehen. Ich machte Schluss und ritt zu Fabi. „Ich nehme sie!“ … „Super! Ich sattel sie für dich ab, okay?“, ich nickte und übergab ihr meinen Liebling. „Glückwunsch!“, flüsterte Jason mir ins Ohr, ich küsste ihn. Wir sammelten Nicci ein und gingen nach Hause.
Zuhause folgten, nach einer heißen Dusche, weitere Vorbereitungen. Wir verbrachten den Abend auf der Couch und an unseren Laptops. So habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt, aber naja es muss ja getan werden. „Schatz, wir haben noch gar keine Ringe!“, fiel mir auf einmal ein. „Stimmt. Besorgen wir als nächstes!“, sagte er. Oh man, ich war richtig fertig. Ich legte meinen Laptop weg und lehnte mich an Jasons Schulter, es dauerte nicht lange und ich schlief ein und träumte vom heutigen Tag…

