Dort angekommen führte mich mein erster Weg zu Victoria, eine wunderschöne Hannoveranerstute, die von meinem Shine tragend ist. Mein Herz machte wieder einen Freudensprung. „Hallo Hübsche!“, begrüßte ich sie und streichelte sie zwischen ihren Nüstern. Auf einmal kam jemand zur Box. „Hey Sase!“, sagte Fabi und ich drehte mich erschrocken zu ihr um. Dann begrüßte ich sie auch. „Hey, Kleine! Was tust du denn im hier Stall?“, sie verdrehte sie sichtlich die Augen. „Ja, ich darf immer noch nicht reiten. Aber hey! Alles Gute zu deiner Verlobung!“, sagte sie schließlich und nahm mich in den Arm. Sie betrat die Box und begrüßte erst einmal ihre Stute, dann unterhielten wir uns über das Fohlen. Der errechnete Geburtstermin würde am 18. April liegen. Schon wieder machte mein Herz einen Freudensprung. Dann berichtete ich ihr über die Verlobungsparty, aber Jason hatte Recht, sie wusste schon davon. Wir verabschiedeten uns, sie ging mit Vicky nach draußen und ich lief zu meinem liebsten Shine. Ich hatte erst mit Miri trainiert, aber ich wollte mich nochmal kurz drauf schwingen und etwas tun. Also lief ich zu Box und begrüßte meinen Hengst. „Hallo, Großer!“, sagte ich zu ihm und umarmte seinen kräftigen Hals. Ich nahm sein Lederhalfter und halfterte ihn auf, dann ging ich mit ihm zum Putzplatz. Dort traf ich auf Caro und Aylien. Beiden erzählte ich von der Verlobungsparty, aber auch sie wussten es schon. Schließlich begann ich meinen Hengst zu putzen. Er staubte heute irgendwie, kommt bestimmt von der sandigen Halle. Mit der Kardätsche befreite ich sein dunkles Fell von dem grässlichen Staub. Danach kamen seine Beine dran, welche nicht besser aussahen. Dann noch ein bisschen Haarpflege, also kämmte ich Mähne und Schweif etwas durch. Zum Schluss kratzte ich seine Hufe aus und er sah wieder einigermaßen in Ordnung aus, gepflegter halt. Schnell holte ich VS-Sattel und Trense und machte meinen Süßen reitfertig. Ich nahm meinen Helm und ging mit ihm auf den Dressurplatz, denn seit die Woche begonnen hat ist das Wetter BOMBE!
Auf dem Platz stieg ich auf und ritt die ersten Runden. Heute war mein Liebling irgendwie gechillt, lag wohl am harten Training. Heute wollte ich nur nochmal das üben, was Miri mir „aufgegeben“ hatte, wie in der Schule. Nach ungefähr zehn Minuten Schrittarbeit, hielt ich noch einmal an und gurtete nach, dann ging es los. Ich wollte den Außengalopp und den Galopp in seitliche Richtung noch etwas üben, aber nicht lange. Also trabte ich an und begann ihn schön locker zu kommen. Ich ritt von Anfang an vorwärts und viele gebogenen Linien: Zirkel, Volten, Schlangenlinien und vor allem Kehrtvolten. Nachdem ich das Gefühl hatte, dass er locker war, ging ich nochmal in den Schritt. Nach ein paar Minütchen Pause, ging es weiter. Ich trabte wieder an und ging ganze Bahn, bei C galoppierte ich ruhig an und behielt ein gleichmäßiges Tempo. Gleich danach ging ich auf den Zirkel und ritt eine Runde rum, bei X wechselte ich aus dem Zirkel und blieb im Außengalopp. So ritt ich einen Zirkel weiter, danach ganze Bahn. Bei den einfachen Hufschlagfiguren klappte das auch super, doch dann wagte ich mich wieder an eine Kehrtvolte. Ich ritt die Kurve, mein Hengst bog sich und ich gab ihnen nach, dann ließ ich ihn wieder vorwärts gehen. „Super Shine!“, sagte ich zu ihm und klopfte seinen Hals. Es hatte auf Anhieb geklappt, er blieb im Außengalopp. Nicht schlecht, Herr Specht. Ich ritt im Außengalopp weiter und tat das gleiche Spiel nochmal, auch diesmal klappte es wunderbar! Doch beim Erreichen des Hufschlages legte ich einen fliegenden Wechsel hin. Dann wollte ich die nächste Lektion auf die Probe stellen, also galoppierte ich im Innengalopp weiter. Ich ging auf die Diagonale, stellte ihn in die Bewegungsrichtung und trieb mit dem äußeren Bein. Also langsam hatten wir Beide den Dreh aus, auch diese Übung funktionierte beim ersten Mal. Ich parierte erst zum Trab durch, dann zum Schritt. Ich ließ die Zügel lang und beschloss zum Abreiten ins Gelände zu gehen, denn wir waren gerade mal eine halbe Stunde auf dem Platz gewesen. Also ritt ich vom Hof in Richtung Wiesen. Shine trottete nur so vor sich hin, denn er war wirklich alle. Ich merkte gar nicht, dass wir ein paar Runden über die gleiche Wiese drehten, aber das war mir in dem Moment egal. Nach einer viertel Stunde schlug ich den Nachhauseweg ein, und auf einmal wurde mein kleiner Lahmarsch wieder schneller.
Wieder auf dem Hof, sattelte ich meinen Süßen ab und brachte ihn in seine Box. Ich gab ihm sein Futter und räumte alles in den Spind, der schon wieder wie Sau aussah. Verdammt, in sowas konnte ich aber auch keine Ordnung halten. Schließlich schaute ich auf die Uhr. „Scheiße! Halb sechs! Shine, ich muss los.“, sagte ich zu ihm und gab ihm ein Kuss auf die Stirn. Eineinhalb Stunden, dann muss ich fertig sein. Wie soll ich das schaffen? Auf dem Hofgelände suchte ich Nicci und sprang dann mit ihr ins Auto, hinein in eine rasante Heimfahrt…
Zuhause herrschte schon Trubel. Jason huschte im Sacko und einem feinen Hemd durch die Gegend, räumte und baute auf. „Schatz?“, fragte ich ihn, während er an mir vorbei zischte. Er kam zurück und gab mir einen Kuss. „Sorry Schatz, viel zu tun. Mach dich fertig, ja?“, ich nickte nur und ging nach oben. Ich sprang in die Dusche und wusch mir die Haare und der ganze restliche hygienische Kram wurde auch erledigt. Eingewickelt in Handtüchern wie eine Mumie, stellte ich mich vor den Spiegel und begann mich zu schminken, danach waren die Haare dran. Ich föhnte sie und machte mir mit einem Glätteisen Locken, welche ich dann hochsteckte. Zum Glück hat man bei einer Hochzeit jemanden, der das für einen erledigt. Dann stellte ich mich vor den Kleiderschrank, oh man viel zu viel und doch nichts anzuziehen, wie Mädchen halt sind. Ich griff nach einem schwarzen Corsagenkleid mit weißen Punkten. Darunter zog ich ein Petticoat, eine Nylon-Strumpfhose und schwarze High-Heels. Jetzt fehlte mir nur noch der Feinschliff, ein bisschen Schmuck kann nie schaden. Also machte ich mir Kreolen in die Ohren und Perlen um den Hals und ans Handgelenk. Ich glaubte zu hören, dass es schon ein paar Mal geklingelt hatte. Ja, so war es auch. Als ich die Treppe hinunter ging, war die Party schon voll im Gange und ich sah viele bekannte Gesichter…
Wenn ihr wollt und Lust habt, wäre es sehr schön, wenn wir vielleicht alle gemeinsam den Bericht fortführen könnten.

