Es war ein kalter Nachmittag und ich wäre am liebsten zu Hause im Warmen geblieben, doch die Arbeit rief. Ich hatte heute einen Termin für eine Reitstunde mit meiner neuen Reitschülerin Larissa gemacht. Ich zog mir also meine reitklamotten an und schnappte mir meinen Autoschlüssel. "Alena", rief ich meine Hündin, die sofort angerannt kam. "Damit du auch mal raus kommst meine Süße." Ich schloss die Tür hinter uns.
Auf Pandora angekommen parkte ich ein und stieg aus. Alena hüpfte sofort hinterher. Schon fuhr ein zweites Auto auf den Hof. EIne junge Frau von etwa 20 Jahren stieg aus. "Hallo",rief sie mir zu. "Hallo. Bist du Larissa?", antwortete ich. "Ja die bin ich. Ich nehme an, dass du Lara bist." "Richtig", bestätigte ich. Wir machten uns auf den Weg zum Stall und wir unterhielten uns ein bisschen. Am Stall angekommen schob ich die Tür auf und wir traten ins Warme. "Ich denke, dass du mit Lancelot ganz gut klarkommen solltest. Du reitest heute mal ihn und wir schauen, ob es klappt. Ich denke aber es sollte keine Probleme geben." Larissa nickte und wir gingen zu Lancelots Box. Der Hengst schaute neugierig über seine Boxentür und beschnüffelte Larissa neugierig. Ich reichte ihr das halfter und sie legte es ihm an. Nachdem sie sich noch kurz bekannt gemacht hatten, führte Larissa ihn aus der Box und brachte ihn raus auf den Putzplatz und band ihn dort an. Larissa putzte Lancelot gründlich, während wir uns unterhielten. Wo sie bis jetzt geritten war, auf was für Turnieren sie gestartet war und so weiter. Dann sattelte sie Lancelot und führte ihn in die Springhalle. Larissa stieg auf und ich baute ein paar kleine Sprünge zur Aufwärmung auf. Meine Reitschülerin ritt Lancelot solange warm und ich beobachtete sie nebenbei. Larissa machte keine schlechte Figur auf dem Pferd und sie schienen sich auch ganz gut zu verstehen. "So dann trab mal an", sagte ich nach ein paar MInuten zu Larissa. Lancelot wechselte brav die Gangart und Larissa fing an leichtzutraben. Ich schickte sie auf einige Zirkel, Volten und Schlangenlinien. Dann schickte ich sie erstmal über ein paar Trabstangen. Im Winter muss ein einfach immer viel mehr Zeit für die Erwärmunung einplanen. Larissa machte ihre Sache ganz gut und ich war zufrieden. Dann ließ ich sie aus dem Trab über ein kleineres Kreuz springen. Lancelot lief darüber anstatt zu springen. "Larissa auch wenn du nur aus dem Trab springst, musst du eine gewisse Spannung aufbauen. Also Zügel etwas aufnehmen, tiefer einsitzen und ein bisschen schwungvoller das Ganze." Larissa nickte und setzte meine Anweisungen um. Diesmal machte Lancelot einen kleinen Sprung. Ich war zufrieden, da ich wusste, dass das für den Hengst keine Höhe war. Dann ließ ich Larissa angaloppieren. Auf jeder Hand eine große Runde und zwei Zirkel zum locker werden. Danach parierte sie wieder zum Schritt und ritt viele Bahnfiguren. Dann sagte ich:"Du galoppierst jetzt an und nimmst als erstes mal den 80cm hohen Steilsprung dort drüben. Ich weiß das ist nicht hoch, aber trotzdem hoch genug um mir deine Technik besser anzusehen." Lancelot galoppierte an und Larissa ritt den Sprung an. Der Absprung passte nicht ganz und so machte Lancelot einen großen Sprung über das Hinderniss. Larissa schien nicht mit einem solchen Satz gerechnet zu haben und kam hinter die Bewegung. Danach parierte sie sofort wieder durch. "Reite den Sprung das nächste Mal passend an. Lancelot kann viel höher und weiter springen als er jetzt muss. Also unterschätze ihn nicht. Reite die Sprünge passend an und gib ihm deutliche Hilfen. Und jetzt gleich nochmal." LArissa nickte und galoppierte wieder an. Diesmal kamen sie besser an den Sprung und sie kamen einigermaßen passend darüber. "Der Absprung war immer noch nicht optimal. Gleich nochmal. Treiben, wenn es zu weit wird, und aufnehmen, wenn ihr sonst zu nah an den Sprung kommt." BEim dritten Versuch passte alles und ich war zufrieden. "Das war schon wesentlich besser. Hast du den Unterschied gemerkt?" "Ja es war wirklich besser." "Gut. Dann springst du jetzt bitte einmal den Steilsprung dort hinten.", saagte ich und deutete auf einen etwa 1m hohen Sprung. Diesmal passte es schon beim ersten Versuch. "Sehr gut", lobte ich sie,"Trotzdem lass ihn nicht alles allein machen. Er kann das zwar alleine, aber ich möchte, dass du ihm den Absprung vorgibst. Nicht alle Pferde machen das so selbstverständlich von alleine." Larissa gab sich nun mehr Mühe und Lancelot sprang brav bei ihrer Hilfe ab. Ich war zufrieden. "So jetzt nimm mal bitte die Kombination dort hinten." Der erste Sprung über einen 1,15m hahen Steilsprung passte noch, doch zum etwas kleineren Oxer passte es nicht ganz. Larissa hatte ihn nicht genug vorwärtsgetrieben. Sie waren wieder weit vor dem optimalen Absprung. Larissa stieß ihm grob ihre Absätze in den Bauch. Lancelot ließ sich das nicht gefallen und machte einen abrupten Stopp vor dem Oxer. Larissa hielt sich nur mit Mühe im Sattel. "Du kannst ihm doch nicht einfach die BAsätze so in die Seiten hauen. Hättest du von Anfang an mehr getrieben, dann hätte es auch gepasst. Du machst das jetzt gleich nochmal. Und treib ordentlich mit den Schenkeln, sonst fangen wir wieder bei der Dressurarbeit an." Larissa schluckte. "Tut mir leid", murmelte sie. "Sag das nicht mir, sondern dem Pferd. Außerdem hilft das jetzt auch nicht mehr. Versuch es einfach nochmal und gib diesmal deutliche, aber keine groben Hilfen." Larissa ritt wieder an. Erstmal noch zwei Zirkel im Trab und dann ruhig angaloppieren. Larissa ritt die Kombination an und gab sich diesmal viel mehr Mühe. Nach dem Steilsprung trieb sie Lancelot deutlich vorwärts, trotzdem wurde sie nicht grob. Die Absprünge passten recht gut. "So war das schon viel besser. Jetzt nochmal und versuch den Absprung noch ein bisschen besser zu legen." Larissa strengte sich jetzt richtig an und diesmal passte alles. "Gut, aber lass die Zügel über dem Sprung nich all zu lang. Wirf sie nicht immer so weg. Du lässt ihn so über dem Sprung ein bisschen alleine. Also nimm die Zügel etwas kürzer. Und jetzt nimmst du bitte den Oxer dort." Larissa nahm die Zügel ein Stück kürzer und es klappte nun noch besser. Lancelot zog vor dem Sprung ein bisschen das Tempo an, aber Larissa blieb ruhig und verringerte das Tempo wieder. Sie kamen passend an den Sprung und Larissa ließ die Zügel diesmal nicht ganz so lang. "Sehr schön. GLeich nochmal, aber lass die Absätze noch ein bisschen tiefer." Mit jedem Sprung wurde es ein bisschen besser. Lancelot kam zwar ab und zu etwas in Fahrt und wurde zu schnell, aber Larissa schaffte es mit immer feineren Hilfen ihn wieder zurück zu nehmen. Nachdem sie einen 1,20m hohen Oxer übersprungen hatten, sagte ich:"Ich denke, das reicht für heute. Das nächste Mal probieren wir es mit ein bisschen mehr Höhe, aber du hast das schon ganz gut gemacht. Lass die Zügel länger und reite ihn trocken."
ICh baute die Hindernisse ab, während Larissa mit Lancelot im ruhigen Schritt ihre Runde drehte. Als ich fertig war, stieg sie ab und wir gingen nach draußen. Inzwischen wehte ein starker, eiskalter Wind. "Geh gleich in den Stall mit ihm. Er hat geschwitzt und erkältet sich sonst noch", sagte ich zu Larissa. Im Stall sattelten wir den Hengst ab und deckten ihn zu. Larissa gab ihm noch einen Apfel zur Belohnung und verabschiedete sich dann. "Tschüss bis zum nächsten Mal", rief sie und verschwand durch die Stalltür. Ich streichelte Lancelot noch kurz und beschloss dann nochmal bei meinen Lieblingen vorbei zu schauen.
