Behandlung: Kelly
von Sase » Samstag 23. Juli 2011, 14:30
Nach den letzten wunderbaren Tagen stand mal wieder die Arbeit auf dem Programm. Die vergangene Woche war wunderbar: Jason hatte Urlaub, auf dem Hof fand eine Schnitzeljagd statt und generell hatte ich viel Zeit für meine Pferde. Besser ging es doch nicht, oder? Jedenfalls saß ich schon seit um acht hinter dem Anmeldetresen, denn es standen Bestellungen auf dem Programm: Droncit, Natrium-Chlorid, Advantix, Front-Line, Impfstoffe, Verbände und so weiter und so weiter. Genug jedenfalls! Ich tätigte gerade die letzte Bestellung bei einem veterinärmedizinischen Großhandel, als das Telefon klingelte. „Hallo, hier ist Kristin. Ich würde Kelly gerne einmal vorbeibringen, denn sie humpelt seit einiger Zeit.“, sagte eine neue und unbekannte Stimme. „Natürlich, ich habe Zeit. Bring‘ sie vorbei. Bis gleich.“ – „Bis gleich.“, uff. Arbeit. Naja, so ist das Leben nun mal. Ich bereitete schon alles vor. Schmerzmittel, Stethoskop, Fieberthermometer und noch andere Dinge. Dann hörte ich wie die Eingangstür auf und wieder zu ging. „Hallo, Kristin. Komm gleich durch.“, sagte ich zu ihr. Sie kam mit ihrer weißen Schäferhündin in den Behandlungsraum. Wir reichten uns die Hand. Schon von weitem sah ich, dass Kelly vorne links humpelte. „Ah, ich seh’s schon.“, sagte ich schließlich. Ich bat Kristin, dass sie mir Kelly mit auf den Behandlungstisch hievt, was schnell getan war. „Na, du bist ja eine Liebe.“, sagte ich zu und strich ihr über den Kopf. „Sie humpelt schon seit ich sie vom Tierheim geholt habe, sie muss dort wo auch schon gehumpelt haben.“, sagte sie hinzufügend. Ich nickte. „Ich mache erst einmal einen Grundcheck.“, sagte ich und legte los. Ich nahm das Stethoskop und hörte nach Herz und Lungen, was alles in bester Ordnung war. Dann schaute ich mir die Zähne und das Zahnfleisch an, welches für die junge Hündin vollkommen gut aussah. Schließlich maß ich die Temperatur. „Sie hat Fieber, also könnte eine Entzündung vorliegen. Ich schaue mir jetzt das Bein an. Aber ansonsten ist sie ein kerngesunder Hund, also keine Sorge.“, sagte ich. Kristin atmete erleichtert auf. Ich nahm mir ein orthopädisches Hämmerchen und testete die Gelenke, welche vollkommen in Ordnung waren. Auch beim Abtasten fand ich nichts Äußerliches. Das Bein war weder dick noch warm. Dann muss es wohl von woanders kommen. „Wir müssen sie hinlegen. Nehm‘ den Kopf.“, sagte ich zu Kristin. Dann legten wir sie vorsichtig auf die Seite. Kristin stellte sich hinter Kelly und beruhigte sie mit gewählten Worten. Schon sah ich den Übeltäter. „Sie hat sich was vertreten.“, sagte ich schließlich. „Und das hat sich ziemlich böse entzündet, deswegen hat sie Schmerzen beim Auftreten.“, Kristin spähte zum Fuß hin und nickte. Ich nahm das NaCl und spülte damit den Fuß, danach trug ich Hautdesinfektionsmittel auf. Dann brauchte ich eine Pinzette. Ich huschte durch den Raum und schaute in jede Schublade. In der letzten fand ich schließlich das richtige Besteck. Ich widmete mich wieder der Wunde und versuchte den Fremdkörper zu entfernen. Nach einer Weile hatte ich gefunden und Kelly jaulte beim Herausziehen ziemlich. „Ein Glassplitter. Nicht groß, aber eine große Wirkung.“, sagte ich und schmiss den Splitter in den Mülleimer. Kristin war etwas geschockt. „Keine Sorge. Sie bekommt jetzt ein Schmerzmittel und ein Entzündungshemmer, dann bekommt sie einen Verband. Zuhause braucht sie aber dringend Antibiotika, das gebe ich dir mit.“, sie nickte und ich kümmerte mich wieder um Kelly. Ich trug Betaisodona auf und wickelte schließlich einen Verband um die Pfote, der bis zum Ellenbogen reichte. Dann zog ich die Spritze auf und injizierte sie in eine Hautfalte in der Flanke. Auch hier jaule Kelly leise. „Ist doch vorbei.“, beruhigte Kristin ihren Hund. Dann hoben wir Kelly vom Tisch. „Sie wird anfänglich etwas komisch laufen, aber das renkt sich noch ein. Wenn es draußen nass und feucht sein sollte, dann mache bitte eine Tüte über den Verband und befestige diese mit einem Gummiband. Ich gebe dir jetzt noch Tabletten mit, davon bekommt sie früh und abends Eine. Die Tabletten reichen für fünf Tage, dann darfst du auch den Verband abmachen.“, sagte ich zu ihr. Kristin verstand alles und nahm die Tabletten an sich. Sie schien erleichtert. Klar, es hätte viel schlimmer sein können. Borreliose zum Beispiel. Gut, das dies nicht der Fall war. Ich ging mit ihr zur Tür und verabschiedete sie. „Puh.“, sagte ich. Jetzt war reiten angesagt. Ich hing meinen Kittel an den Haken, räumte auf, schaltete den Computer aus und schloss die Praxis. Denn auf mich wartete jetzt mein Junghengst Vic… (zu lesen in Einreiten von Shining Victory).
